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Gesellschaft : Wohin führt die Kultur der Inklusion?

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Bild: picture alliance / ZB

Inklusion richtet sich auf mehr als gemeinsamen Schulunterricht von Kindern mit und ohne Behinderung oder schlichte Integration von bislang Benachteiligten in die bürgerlich-liberale Ordnung. Es ist die Ordnung selbst, die verändert werden soll.

          Ein Comicspot der Aktion Mensch bringt es auf den Punkt: „Wenn Ausnahmen zur Regel werden - das ist Inklusion.“ Der Punkt ist: Inklusion ist mehr als die Frage, ob Kinder mit Down-Syndrom ein Gymnasium besuchen können, über die in der deutschen Öffentlichkeit kontrovers und emotional diskutiert wird. Inklusion ist, so die These, „wenn anders sein normal ist“. Und das geht weit über körperliche oder geistige Behinderungen hinaus.

          Dass „anders sein normal ist“, gilt zum Beispiel für Homosexualität, die in jüngster Zeit in weiten Teilen der westlichen Welt ihre gesellschaftliche Emanzipation erfährt. Schon 2006 hatte das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz in Deutschland das Ziel vorgegeben, Benachteiligungen aufgrund von Rasse, Herkunft, Geschlecht, Religion, Weltanschauung, Behinderung, Alter oder sexueller Identität zu verhindern und zu beseitigen. Dass Antidiskriminierung in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist, zeigt exemplarisch der Profifußball, der zu einem Vorreiter von Kampagnen gegen Homophobie und Ausländerfeindlichkeit geworden ist.

          Antidiskriminierung ist ein Aspekt von diversity management, der Anerkennung und Förderung von Verschiedenheit. Ergänzt wird sie durch aktive Gleichstellung, die vor allem für das Verhältnis zwischen den Geschlechtern Anwendung findet. „Das Leitprinzip der Geschlechtergerechtigkeit“, so erklärt das Bundesministerium für Familie, Frauen, Senioren und Jugend den Ansatz des gender mainstreaming, „verpflichtet die politischen Akteure, bei allen Vorhaben die unterschiedlichen Interessen und Bedürfnisse von Frauen und Männern zu analysieren und ihre Entscheidungen so zu gestalten, dass sie zur Förderung einer tatsächlichen Gleichstellung der Geschlechter beitragen“.

          Diese Leitlinie gilt auch auf europäischer Ebene, seitdem sie im Jahr 1997 in Amsterdam in die europäischen Verträge geschrieben wurde. Eine Politik der „positiven Maßnahmen“ zielt auf die Beseitigung von Ungleichheiten, indem sie „Struktur- und Verhaltensänderungen der Menschen bewirkt und die Rollen von Frauen und Männern neu definiert“ (Frank Schorkopf). Verwirklicht wird diese Politik durch Frauenquoten für Aufsichtsräte von Unternehmen oder durch das „Kaskadenmodell“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft, das auf jeder Ebene einen Anteil von Frauen vorschreibt, wie er auf der nächstunteren bereits existiert. In den Vereinigten Staaten ist die ausgleichende Bevorzugung benachteiligter Gruppen und Individuen durch staatlich-bürokratische Regulierung als affirmative action bekannt. Sie richtet sich vor allem gegen Benachteiligungen aufgrund ethnischer Herkunft. Dahinter steht das Konzept des „Multikulturalismus“, das in Deutschland zwar sprachlich verpönt, in der Sache freilich Programm ist, spätestens seitdem Bundespräsident Christian Wulff den Islam zu einem „Teil von Deutschland“ erklärt hat.

          Inklusion und Diversität, Multikulturalismus und Geschlechtergerechtigkeit, Transnationalismus und Kosmopolitismus - als Leitlinien internationaler Universitäten wie auch vieler Unternehmen sind diese normativen Standards fest etabliert. Vor dreißig Jahren waren es fundamentaloppositionelle Grüne, die solche Positionen in Deutschland vertraten. Heute sind sie zur Regierungspolitik nicht nur schwarz-roter, sondern auch bürgerlicher Koalitionen geworden.

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