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Frankfurter Allgemeine : Zeitung der Einheit

  • -Aktualisiert am

Warum soll Deutschland gespalten bleiben? Berlin, 10. November 1989 Bild: Barbara Klemm

Die Frankfurter Allgemeine trat stets für die Wiedervereinigung ein – während andere von einer „Lebenslüge“ der Bonner Republik sprachen und das Provisorium für einen Dauerzustand hielten.

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          Die Wiedervereinigung Deutschlands kam unerwartet. Ermöglicht wurde sie durch Glasnost und Perestroika, die Öffnungspolitik Gorbatschows, die für kurze Zeit ein „window of opportunity“ öffnete – eine Chance, die Bundeskanzler Helmut Kohl beherzt ergriff. Für den Sturz des SED-Regimes waren die Dresdener und Leipziger Arbeiter und Bürger entscheidend gewesen, die furchtlos für Freiheit und dann für die deutsche Einheit eintraten und sich weder von der Stasi noch von der impliziten Drohung des Eingreifens der Roten Armee abschrecken ließen: Der 17. Juni 1953 und das Massaker auf dem Tiananmen-Platz in Peking standen gleichwohl allen vor Augen.

          Die westdeutschen Politiker, Journalisten und Intellektuellen reagierten in großen Teilen – anders als die Mehrheit der Bevölkerung – mit „gestopften Trompeten“ auf diese unerwartete Möglichkeit der deutschen Einheit. Viele hatten sich mit dem westdeutschen Provisorium und der Zweistaatlichkeit abgefunden, sich in ihr eingerichtet. Manche wie Günter Grass oder Walter Jens sahen es sogar geschichtstheologisch als gerechte Strafe und Notwendigkeit an, dass Deutschland geteilt sei. Die Deutschen in der DDR hatten das vorangegangene Unheil auszubaden.

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