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Parteien : Abgrenzen, eingrenzen

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Andererseits traten in verschiedenen Ländern jüngere Politiker mit betont national-konservativem Profil hervor. In dem bislang eher katholisch-sozial geprägten Landesverband Hessen übernahm 1967 Alfred Dregger den Parteivorsitz, in Niedersachsen ein Jahr später Wilfried Hasselmann, schon 1966 war Hans Filbinger in Baden-Württemberg Ministerpräsident geworden. Im Vergleich zu ihren Vorgängern setzten sie stark patriotische Akzente und sorgten aus der Provinz heraus für einen harten Polarisierungskurs. Während in den 1970er Jahren Helmut Kohl eher das moderne liberale Gesicht der Bundes-CDU wurde, setzten sie konservative Gegenakzente. Ein derartiges Doppelspiel zwischen liberaler Spitze und konservativer Provinz ist ein wesentlicher Unterschied zu heute.

Umstritten war die Frage, inwieweit man mit der NPD kooperieren dürfe. Koalitionen auf Landesebene blieben ausgeschlossen, in einzelnen Kommunen kam es dagegen zur Zusammenarbeit. Einzelne Unionspolitiker bemühten sich überdies, NPD-Landtagsabgeordneten zur eigenen Partei herüberzuziehen. Am 12. Dezember 1969 trug der Landesvorsitzende Hasselmann im Bundesvorstand den Plan vor, den Regierungswechsel in Niedersachsen durch die Aufnahme von NPD-Parlamentariern zu erreichen, was unter anderen Helmut Kohl sofort kritisierte. Dennoch stimmte die Führungsspitze der CDU zu: „Die Aufnahme ehemaliger NPD-Mitglieder, die keine bedenkliche politische Vergangenheit haben, ist von der CDU in Niedersachsen beabsichtigt. Obwohl von anderen Landesverbänden dagegen Bedenken geltend gemacht wurden, weist der Generalsekretär auf die Möglichkeit des politischen Irrtums hin und teilt das Verständnis des Präsidiums für die Aufnahme von unbedenklichen früheren NPD-Abgeordneten mit.“ Schon einen Monat zuvor hatte der Vorstand der CDU in Niedersachsen beschlossen, drei NPD-Abgeordnete zu übernehmen. Laut handschriftlichem Protokoll erhielten sie dafür einen finanziellen Ausgleich. Wenngleich der ersehnte Regierungswechsel trotz der drei Überläufer nicht klappte, war deren Wechsel doch ein Signal für Kommunalpolitiker und Wähler, den Schritt zur Union nachzuahmen.

Diese harte Abgrenzung bei punktueller Integration war für die CDU während der Opposition im Bund und mit guten Ergebnissen in den Ländern leichter durchzusetzen, als es heute der Fall wäre. Denn als Oppositionspartei konnte die Union an ihren alten Polarisierungskurs gegenüber der SPD anknüpfen. Das trug zusätzlich dazu bei, dass die rechten Parteien bis zu Kohls Kanzlerschaft keine Wahlerfolge mehr errangen. Gerade der zugespitzte Protest gegen Brandts Ostpolitik sollte für die CDU ein ideales Thema bilden, um mit nationalen und antisozialistischen Vorzeichen rechts von der SPD integrierend zu wirken. Brandts Regierung mobilisierte einigende Feindbilder ähnlich wie später Rot-Grün.

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