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Flüchtlinge : Was wir Migranten schulden - und was nicht

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Bild: ZB

Die Flüchtlingsfrage spaltet die Deutschen, sie spaltet Europa. Nun, da sich mit sinkender Flüchtlingszahl die Emotionen etwas gelegt haben, ist eine Inventur der Argumente angebracht, um die gesellschaftliche Atmosphäre etwas zu entgiften.

          Viele Medien haben in den vergangenen Monaten deutlich zu viel Beschwichtigungsversuche unternommen und dabei die vorhandenen Ängste nicht wahrhaben wollen. Außerdem fehlte es oft an Wahrhaftigkeit. Das hörte sich etwa so an: Migration hat es in Europa immer gegeben. Immer gab es zunächst Widerstände. Aber immer war sie schließlich für alle ein Gewinn. Wenn wir die Einwanderung der Sinti und Roma sowie der osteuropäischen Juden beiseitelassen, die wir doch nicht als gelungen schönreden werden, mag das für die übrigen Wanderungsbewegungen in Richtung Deutschland der letzten Jahrhunderte zutreffen. Das waren aber immer nur innereuropäische Wanderungen, und die sind auch heute völlig unproblematisch. Auch fernöstliche Immigranten aus China, Vietnam, Korea lassen keine Integrationsprobleme erkennen. Überall in Europa aber gibt es erhebliche Integrationsprobleme mit Migranten aus islamischen Ländern. Die Hauptprobleme sind die mitgebrachten Ansichten über Frauen, Juden, Homosexuelle, Abfall vom Islam und das Verhältnis zwischen Staat und Religion.

          Manche sagen: Franzosen und Briten haben in der Integrationspolitik völlig versagt, wir machen jetzt alles besser. Das wird sich noch erweisen müssen. Derzeit herrscht Ernüchterung vor, weil manche Migranten anders reagieren, als wir es erwartet haben. Sie sind oft mit hochfliegenden Erwartungen gekommen, die enttäuscht werden mussten. Wir haben die Einwanderer wohl zunächst weithin nach dem Muster der Flüchtlinge gedeutet, die vor den Nazis um ihr Leben flohen. Wir pflegen ja nur von Flüchtlingen zu reden, obwohl weniger als die Hälfte derer, die da zu uns kommen, tatsächlich als Flüchtlinge anerkannt wird. Korrekter sprechen wir von Migranten.

          Der Verfasser war Fraktionsvorsitzender der SPD in der frei gewählten Volkskammer der DDR und ist jetzt Vorsitzender des Beirats beim Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen (BStU).

          Die gegenwärtigen Migrationsströme unterscheiden sich deutlich von früheren. Verfolgte und Vertriebene waren bisher immer relativ homogene Gruppen, Hugenotten, Böhmische Brüder, auch die Vertriebenen von 1945, auch die geflüchteten DDR-Bürger. Nun kommen sie aus vieler Herren Länder. Ausländer sind aber für andere Ausländer auch Ausländer. Deshalb gibt es nun neben dem Fremdenhass von Deutschen gegen Migranten zusätzlich den von Migranten gegen Migranten. Und kein einziger Hugenotte, Herrnhuter oder Vertriebener ist in zwei- bis dreihundert Jahren je auf die Idee gekommen, möglichst viele Unschuldige seines Gastlands umzubringen.

          Lange Zeit sind arbeitssuchende Migranten wie die Ruhrpolen oder die Gastarbeiter sozusagen in den Arbeitskräftebedarf eingewandert. Sie wurden ja nach Bedarf angeworben. Heute kommen sie nicht, weil unser Arbeitsmarkt nach ihnen ruft, und sind großenteils für ihn zunächst und wohl auf sehr lange Zeit gar nicht qualifiziert. Die meisten Migranten der letzten Million haben keine abgeschlossene Berufsausbildung und sind zu einem exakt noch nicht erhobenen Anteil Analphabeten. Sie wollen großenteils auch keine Berufsausbildung absolvieren, sondern brauchen das schnelle Geld, um entweder ihre Schulden bei den Schleppern zu bezahlen, oder ihren Großfamilien das erwartete Geld zu überweisen. Schätzungen über die Kosten der Migranten des vergangenen Jahres divergieren stark. Manche rechnen mit 150 bis 400 Milliarden minus dauerhaft.

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