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Novemberrevolution : Eine mehrfach überschriebene Zäsur

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Weimarer Nationaltheater: Der Volksbeauftragte Ebert eröffnet am 6. Februar 1919 die Verfassunggebende Versammlung Bild: akg-images / Sammlung Berliner V

Mit dem 9. November 1918 begann der historisch-politische Deutungskampf über die Revolution. Bis heute will er nicht enden.

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          Der 12. November war ein wichtiger Tag der Revolution des Jahres 1918. Damals richtete die Regierung des Übergangs, der aus Mehrheitssozialdemokraten und Unabhängigen gebildete Rat der Volksbeauftragten, einen Aufruf „An das deutsche Volk“. Er enthielt ein Grundsatzprogramm, das es in sich hatte: Aufhebung der Zensur, Garantie der Meinungs- und Versammlungsfreiheit, Abschaffung der jahrhundertealten Gesindeordnungen und die Einführung des Wahlrechts für alle mindestens 20 Jahre alten Männer und – das war ein zentrales Novum – Frauen. Die damit verbundenen erweiterten Partizipations- und Bürgerrechte entsprachen neuen politischen Prinzipien von wahrhaft revolutionärer Tragweite.

          Wilhelm Dittmann, Volksbeauftragter und führender USPD-Politiker, nannte dieses Dokument später in seinen „Erinnerungen“ die „Magna Charta der Revolution“. Wer die Energie und den Erfolg der Revolution in einem Schriftstück verdichtet sucht, wird den Aufruf vom 12. November im Gedächtnis bewahren. Doch dieses Datum lag von Anfang an im Schatten anderer Tage, deren geschichtsträchtige Bedeutung offensichtlicher war: der 9. und der 11. November 1918. Der 9. November markierte das Ableben der Monarchie und die Ausrufung der Republik, der 11. November mit dem Waffenstillstand das Ende des Ersten Weltkriegs. Es ist verständlich, dass diese Daten den 12. November überstrahlen, obgleich gerade in dem Aufruf jenes Tages die Euphorie des Anfangs und der Wunsch nach politisch-gesellschaftlicher Veränderung im Konsens der beiden großen Arbeiterparteien, der MSPD und der USPD, zum Ausdruck kam.

          Dagegen ist sowohl dem 9. als auch dem 11. November mehr Ambivalenz beigemischt. Am 9. November rief Philipp Scheidemann in einer symbolträchtigen Szene, die nachträglich zum zentralen Gründungsakt der ersten deutschen Demokratie inszenatorisch überhöht wurde, die „deutsche Republik“ aus. Wenig später proklamierte Karl Liebknecht die „freie sozialistische Republik Deutschland“ als Zwischenschritt auf dem Weg zur Weltrevolution. An dieser konkurrierenden Konstellation zeigte sich frühzeitig ein tiefer Riss, der durch Arbeiterbewegung und politische Linke ging. Er sollte die Republik von Anbeginn belasten, auch wenn dieses Schisma zugleich eine zentrale Bedingung für das Zusammengehen der gemäßigten Sozialdemokraten mit den liberal-bürgerlichen Kräften war.

          Zwei Seiten einer Medaille

          Am 11. November schwiegen – zumindest im Westen – endlich die Waffen. Ein vier Jahre währender Krieg mit Millionen Toten war zu Ende. Von zermürbenden Kämpfen, mangelhafter Verpflegung und den Auswirkungen der „Spanischen Grippe“ gezeichnet, wollten die Frontsoldaten nichts anderes, als nach Hause zurückzukehren. Die Freude über das Ende des Krieges währte indes nicht lange. Das lag auch am verzögerten Gewahrwerden der vollständigen Niederlage, an der bei nüchterner Betrachtung allerdings schon zum Zeitpunkt des Waffenstillstands kein Zweifel bestehen konnte. Bis zur Bekanntgabe der Versailler Friedensbedingungen lebte jedoch vielfach die Erwartung eines Verständigungsfriedens fort. Als es anders kam, lieferten Enttäuschung, Hass und Wut darüber den idealen Boden für „Fake News“, wie man heute sagen würde.

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