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Einflussreiche Frau : Tennis mit König Faisal Bin Hussein

  • -Aktualisiert am

Gruppenbild mit Damen: Gertrude Bell (unter der Sphinx), flankiert von Winston Churchill (links) und T.E. Lawrence (rechts) im Jahr 1921. Bild: action press

Als Gelehrten-Verwalter stellten sie im 19. Jahrhundert ihr Wissen in den Dienst der europäischen Kolonialmächte. Die meisten waren Männer. Doch ohne Gertrude Bell sähe die nahöstliche Landkarte heute wohl anders aus. Ein Gastbeitrag.

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          Während der Hochzeit der europäischen kolonialen Expansion und der Blüte des britischen Empires machte ein besonderer Typus Wissenschaftler von sich reden. Man nannte sie „Gelehrten-Verwalter“ („scholar-administrators“). Diese Bezeichnung brachte ihre doppelte Eigenschaft schön auf den Punkt. Denn in beiden Welten, in der wissenschaftlichen wie der politisch-administrativen, waren sie gleichermaßen zu Hause. Die meisten von ihnen waren, wie nicht anders zu erwarten, Männer. Umso interessanter sind die Frauen, die als Gelehrten-Verwalter Geschichte schreiben und machen sollten. Etwa die vor 150 Jahren, am 14. Juli 1868, geborene Gertrude Bell.

          Die aus Washington im Nordosten Englands stammende Bell war nicht die einzige Forschungsreisende ihrer Zeit. Die gut dreißig Jahre ältere Anne Blunt war vor ihr ähnliche Wege gegangen. Die Schweizerin Isabelle Eberhardt bereiste, ebenfalls um 1900, insbesondere Tunesien und Algerien, Mary Kingsley war im südlichen Afrika. Bekannt wurde Bell vor allem durch ihre Beteiligung an dem erfolgreichen Manöver, den von den Franzosen aus Syrien vertriebenen König Faisal als Monarchen des neugegründeten Staates Irak zu installieren. Erlangen konnte sie diese Autorität allein deshalb, weil sie in den Jahrzehnten zuvor grundlegende archäologische Grabungen im Nahen Osten durchgeführt und über ihre Forschungen wegweisende Publikationen vorgelegt hatte. Zudem war sie ein äußerst mobiles Bindeglied zwischen London und seinen kolonialen Interessen im arabischen Raum. Dabei kam ihr die Fähigkeit zugute, in unvertrauter Umgebung schnell Vertrauen zu gewinnen und die emotionalen Dimensionen des Kolonialismus zu erkennen. Diesen Aspekten im Unterschied zu den rationalen Prinzipien etwa des Verwaltungsstaats wird erst seit kurzem die Aufmerksamkeit zuteil, die ihnen gebührt. Es ist kein Zufall, dass das Interesse an Gertrude Bell, die schon zu Lebzeiten als ausgezeichnete Kennerin des arabischen Kulturraums zu einer Legende geworden war, zur Zeit des Zweiten Golfkrieges 1990/91 wiederaufflammte.

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