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Drohnenkrieg : Leben unter Drohnen

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Von den Drohnenkritikern wird auf der Ebene des „ius in bello“ noch ein weiteres Argument ins Feld geführt. Der Einsatz militärischer Mittel bedeute zumeist, Menschen dem Risiko auszusetzen, dass sie schwer verletzt oder getötet werden. Dieses Risiko kann nun aber in den konkreten Situationen zwischen verschiedenen Gruppen neu verteilt werden. Soldaten können so kämpfen, dass ihr Risiko steigt und das von Zivilisten oder Gegnern sinkt. Umgekehrt können auch die Risiken für Soldaten gesenkt werden, wodurch unter Umständen die Lasten für andere Personen steigen. Stereotyp gefragt: Bodenkrieg oder Luftangriffe? Manche Gegner von Drohnen verweisen darauf, dass Soldaten mit dem Einsatz der neuen, relativ risikoarmen Instrumente ihrer Rolle als professionelle Risikoübernehmer nicht mehr gerecht werden. Auf dieser aber beruhe die besondere Anerkennung und Wertschätzung des soldatischen Berufs. Nun muss vielleicht nicht jeder Soldat ein Held sein. Aber die neuen technischen Möglichkeiten erfordern auch, das Selbstbild von Soldatinnen und Soldaten neu zu justieren.

Diese Überlegung betrifft ein generelles Problem der Ethik militärischer Einsätze, das insbesondere in den humanitären Interventionen, also dort, wo Soldaten für andere kämpfen, große Bedeutung hat: Warum sollte das Leben dieser Soldaten, die alles riskieren, um für Menschen zu kämpfen, in einer Abwägung weniger Gewicht haben als das von Zivilisten, von denen einige vielleicht sogar den Völkermord begrüßen und unterstützen? So gefragt, legt sich wohl die Antwort nahe, dass Zivilisten, die ja Profiteure der Intervention sein dürften, zugunsten der helfenden Soldaten zurückstehen müssen. Es lässt sich aber auch umgekehrt fragen: Könnte es gerechtfertigt sein, das Leben von Zivilisten für den Schutz von Soldaten hintanzustellen, wenn deren militärischer Einsatz seine Legitimität gerade aus dem Schutz der zivilen Bevölkerung gewinnt?

Es reicht also nicht aus, Politiker mit der Forderung nach möglichst umfassender Abwägung ihres Tuns und Unterlassens zu konfrontieren. Die Schwierigkeiten beginnen bei den ethischen Grundlagen. Innerhalb des Militärs und innerhalb der Gesellschaft müssen elementare Fragen beantwortet werden: Sollen Soldaten von Verteidigern unserer Sicherheit zu professionellen Nothelfern werden? Ist die Gesellschaft bereit, Lasten für Menschen in weit entfernten Regionen zu übernehmen, etwa durch konfliktvorbeugende Maßnahmen, die hier zur Verteuerung des einen oder anderen bislang so günstig erhältlichen Produkts führen?

Papst Innozenz II. hat im Jahr 1139 auf dem Zweiten Laterankonzil ein Verbot der Armbrust verfügt. Er hatte erkannt, dass diese Waffe den Krieg brutalisierte, weil sie den Ritterpanzer durchschlagen konnte. Er hatte aber vielleicht auch gesehen, dass die Armbrust das europäische Machtgleichgewicht erschüttern, ja die Ritter überhaupt überflüssig machen würde. Die Armbrust legte die Axt an die Fundamente der Lehnsordnung, deren Schlussstein die Ritter waren.

Die „kleine“ technische Erfindung des Steigbügels hatte den gepanzerten Reiter und mit ihm die mittelalterliche Feudalordnung hervorgebracht. Die „kleine“ Erfindung der Armbrust läutete ihr Ende ein. Es ist illusorisch anzunehmen, dass von der Revolutionierung der Militärtechnik, die sich hinter Begriffen wie Military Robotics, Cyber-War oder Militarisierung des Weltraumes verbirgt und von der die Drohnen derzeit nur die Spitze eines Eisberges bilden, keine Gefahr für die herrschende Weltordnung ausgeht. Auch dieser Gedanke hat eine Rückseite: Die Welt ist derart stark von partikularen Interessen dominiert und so ungerecht, dass selbst auf Änderungen in der weltpolitischen Ordnung nicht nur mit Angst reagiert werden müsste.

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Unser Autor: Oliver Georgi

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