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Drohnenkrieg : An der Schwelle einer neuen Drohnenökonomie

  • -Aktualisiert am

Bild: dapd

Seit annähernd hundert Jahren experimentiert das Militär mit unbemannten Luftfahrzeugen. Längst ist - Stichwort Drohnenkrieg - eine neue Rüstungsdynamik im Gang. Auch die Parameter für die Entscheidung über den Einsatz militärischer Gewalt sind im Begriff, sich zu verschieben. neue Fähigkeiten und zunehmend autonom agierende Systeme markieren eine Zäsur in der Kriegführung.

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          Über das Vorgehen der Vereinigten Staaten im afghanischpakistanischen Grenzgebiet machte sich Noah Shachtman keine Illusionen: „Es ist ein Drohnenkrieg. Wir kämpfen bloß mit“, schrieb er 2010 in dem renommierten Blog Danger Room. In der Tat ist der rapide zunehmende Einsatz unbemannter Luftfahrzeuge aus militärischer Sicht die bemerkenswerteste Entwicklung seit der Jahrtausendwende. Unmanned aerial vehicles, in Deutschland Drohnen genannt, sind zwar nicht ganz so revolutionär, wie sie vielen erscheinen. Dennoch markiert der aktuelle „Höhenflug“ der Drohnen in der Kriegführung eine Zäsur.

          Um zu verstehen, was das Konzept unbemannter Luftfahrzeuge plötzlich Umwälzendes bewirkt, ist ein Blick in die Vergangenheit erforderlich. Dabei ist es hilfreich, Drohnen von Marschflugkörpern zu unterscheiden. Letztere kehren von ihrem Einsatz nicht zurück. Sie selbst sind die Waffe, die sich auf das Ziel stürzt. Drohnen hingegen sind Waffenplattformen. Sie starten, kommen zurück und landen - insofern einem Flugzeug mit einem Piloten an Bord ähnlich. Trotz dieses wesentlichen Unterschieds zeigt sich in historischer Perspektive, dass die Entwicklung von Marschflugkörpern und Drohnen über lange Zeit parallel verlief. So führt ein Blick in die technische Vergangenheit der Drohnen zwangsläufig zurück zum

          Ursprung beider Waffensysteme. Dieser liegt im Ersten Weltkrieg.

          Schon 1917 wurden in den Vereinigten Staaten und Großbritannien sogenannte Lufttorpedos entwickelt. Ausgerüstet mit Gyroskopen zur Trägheitsnavigation und später zusätzlich per Funk ferngesteuert, sollten sie ihre Ziele wie Marschflugkörper bekämpfen. Als Lenkwaffe erfüllten sie die Erwartungen jedoch nicht. Sie trafen oft nicht ihr Ziel, weshalb die Entwicklung solcher Systeme zunächst nicht weiterverfolgt wurde. Stattdessen stellte sich heraus, dass Lufttorpedos bei Schießübungen ideale Ziele abgaben.

          Als Zieldrohnen erfreuten sich unbemannte Flugkörper vor allem vor dem Zweiten Weltkrieg großer Beliebtheit. In Deutschland entstand das Flakzielgerät 43. Im Oktober 1939 wurde erwogen, deises zu bewaffnen. Das auch Fernfeuer genannte Fluggerät hätte, per Funk von einem Begleitflugzeug aus gesteuert, eine Bombenfracht ins Ziel bringen und wieder zur Basis zurückkehren sollen - gleichsam die erste Kampfdrohne. Doch die Luftwaffe verfolgte diese Idee nicht weiter. Sie setzte auf die „Vergeltungswaffe“ V1 und zog damit den Marschflugkörper der Drohne vor.

          Die Vereinigten Staaten erprobten während des Zweiten Weltkriegs und des Korea-Krieges, ob und wie sich unbemannte Flugkörper mit Radarleitsystemen zur präziseren Steuerung bestücken ließen. Einige Geräte waren als reine Marschflugkörper konzipiert, andere als bombenbeladene Waffenplattformen. Diesen Vorläufern der Drohnen fehlte aber die Fähigkeit, nach Abwurf ihrer tödlichen Fracht zu landen. Der vor allem von der amerikanischen Marine verfolgte Ansatz setzte sich aufgrund solcher Defizite und insgesamt mangelnder Erfolge abermals nicht durch. In der ersten Phase des Kalten Krieges forcierten alle Seiten ohnehin die Raketenforschung. Drohnen blieben Zielscheiben.

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