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Weimarer Verhältnisse? : Warum Berlin weit davon entfernt ist, Weimar zu sein

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An kruden Mixturen aus politischen Hass- und Gewaltphantasien, aus Halb- und Unwahrheiten – Fake News eben – fehlte es keineswegs. Bis 1928 war auch die NSDAP im Wesentlichen auf diese Ebene beschränkt. Erst dann wurde sie zu einem nationalen Faktor und mit ihrem Propagandaapparat zu einer gewaltigen medialen „Echokammer“. Vor diesem Hintergrund ist es ein Ausweis der Stabilität unserer demokratischen Kultur, dass gegenüber Hasspropaganda, sei es im Internet, sei es durch das gesprochene Wort, eine gewissermaßen abrufbare Sensibilität besteht und zunehmend auch strafrechtlich gegen sie vorgegangen wird.

Wachsamkeit trotz ungleicher Rahmenbedingungen

Wenn über „Weimarer Verhältnisse“ und ihre mögliche Aktualität nachgedacht wird, dann müssen stets auch die wirtschaftlichen und finanzpolitischen Bedingungen berücksichtigt werden. Dass die Weimarer Republik gerade ökonomisch eine überlastete, ja überforderte Demokratie war, ist häufig festgestellt worden. Für allzu viele Menschen hatte seit 1914 der Sturm von Krieg und Nachkrieg, Inflation und Weltwirtschaftskrise eine soziale Abwärtsbewegung in Gang gesetzt. Zahlreiche private Lebensentwürfe waren blockiert oder sogar ruiniert worden durch die schicksalhafte Kette von Ereignissen, die die Deutschen unter den Bedingungen einer fragilen kapitalistischen Wirtschaft erfuhren. Die nach 1933 sich Bahn brechende kollektive Sehnsucht nach einem gleichsam „normalen“ Leben mit funktionierender Privatsphäre bildete daher eine hochwirksame gesellschaftliche Triebkraft des NS-Regimes.

„Einen Weltaugenblick schien es, als sollte unserer geprüften Generation wieder ein normales Leben beschieden sein.“ So hat Stefan Zweig die Atmosphäre während der „guten“ Weimarer Jahre von 1924 bis 1930 beschrieben. Normalität hieß: bezahlte Erwerbstätigkeit, ein bescheidenes Heim, die Möglichkeit, eine Familie zu gründen und einen gewissen Zugang zum wachsenden Angebot an Konsumgütern zu haben. Und es war fatal für das Schicksal der Weimarer Republik, dass in ihr so viele Hoffnungen auf ein kleines Stück privaten Glücks zerstört wurden. Hinzu traten Phänomene schreiender sozialer Ungleichheit, die auch sozialpolitisch nicht aufgefangen werden konnten. Zwar steckte sich die Republik hohe sozialpolitische Ziele, blieb aber mangels finanzieller Leistungskraft notorisch hinter den damit geweckten Hoffnungen zurück. Mithin war die Weimarer Sozialpolitik zwar im internationalen Vergleich sehr ambitioniert und „modern“, erzeugte aber in der Praxis eine Vielzahl von Enttäuschungen.

Es fällt schwer, Elemente solcher „Weimarer Verhältnisse“ in unserer Gegenwart wiederzufinden; und doch ist Wachsamkeit geboten. Das gilt nicht nur für die viel konstatierte und diskutierte wachsende soziale Ungleichheit und die zunehmend ungleiche Chancenverteilung in einer immer stärker internationalisierten Marktwirtschaft.

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