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Die Stasi und die RAF : Ein Nazi für die Stasi

Spurensuche: Am 5. September 1977 am Tatort der Entführung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer in Köln. Die vier RAF-Terroristen erschossen Schleyers Fahrer und drei Polizisten. Bild: VIS

Die Staatssicherheit der DDR nutzte die Entführung Hanns Martin Schleyers für ihre perfide Desinformationsarbeit aus – und setzte dafür auf die Hilfe eines früheren SS-Manns.

          12 Min.

          Am späten Nachmittag des 5. September 1977 stieg Hanns Martin Schleyer vor der Bundeszentrale der Deutschen Arbeitgeberverbände am Kölner Rheinufer in seinen dunklen Mercedes 450 SEL. Der Arbeitgeberpräsident wollte in seine Dienstwohnung in Köln-Braunsfeld. Wie üblich fuhren drei Personenschützer in einem Zivilfahrzeug hinterher. Als der kleine Konvoi beinahe am Ziel war, setzte aus einer Ausfahrt ein gelbes Auto abrupt zurück. Schleyers Fahrer konnte noch rechtzeitig bremsen, doch das Begleitfahrzeug schob den Wagen des Arbeitgeberpräsidenten auf das Sperrfahrzeug des RAF-Kommandos „Siegfried Hausner“. Einen Lidschlag später eröffnete die vier Terroristen das Feuer. Schleyers Fahrer und die drei Polizisten waren tot. Den Arbeitgeberpräsidenten, der unverletzt geblieben war, schleppten die Terroristen in einen VW-Bus und rasten davon.

          Reiner Burger
          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          In einer Großfahndung bis dahin unbekannten Ausmaßes suchten die Sicherheitsbehörden fieberhaft nach Schleyer und seinen Entführern. Krisenstäbe tagten unentwegt, neueste Computertechnik war im Einsatz. Enorme Aufregung herrschte auch in der Zentrale der DDR-Staatssicherheit in Ost-Berlin. Kurz nach der Entführung gab Erich Mielkes Stellvertreter den Befehl, sofort alles umfassend aufzuklären. Also wurden der westdeutsche Funkverkehr aufgezeichnet und Telefonleitungen sogar des Bundeskriminalamts und der Krisenstäbe der Bundesregierung von Kanzler Helmut Schmidt (SPD) angezapft. In ihrem vergangenes Jahr erschienenen Buch über die Rolle der Stasi im Fall Schleyer schreiben Georg Bönisch und Sven Röbel, den DDR-Agenten sei es vorrangig darum gegangen herauszufinden, ob die Fahndungen „Auswirkungen auf die operative Arbeit“ haben könnten. Schließlich arbeiteten nicht nur in den Ministerien in der Bundeshauptstadt Bonn, sondern auch in Köln und dem Umland besonders viele DDR-Spione, etwa bei der Polizei oder etwa auch in Einwohnermeldeämtern.

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