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Politisch korrekte Sprache : Stimmt’s, oder hab ich recht?

  • -Aktualisiert am

Kathrin Kunkel-Razum, Redaktionsleiterin des Duden, liest im August 2020 in der neuen Ausgabe des Duden. Bild: dpa

Der Genderstern ist zum Symbol geworden. Viele mögen ihn in rechtschaffener Absicht verwenden. Doch der Wunsch, Sprache zu lenken und Kultur zu „säubern“, kennt kaum noch Grenzen. Ein Essay.

          12 Min.

          Als es auf mein Germanistikexamen zuging, versuchte ich dem Kauderwelsch der modernen Linguistik zu entkommen und flüchtete mich auf das weniger einsturzgefährdete Terrain der historischen Sprachwissenschaft. Zu meinen Prüfungsschwerpunkten wurden folglich Themen, die meine Kommilitonen eher mit einem müden Lächeln quittierten: „Die Geschichte der deutschen Rechtschreibung“ und „Das System der starken Verben“. Bereut habe ich diese Entscheidung nie, und manche Erkenntnisse aus diesen Prüfungsvorbereitungen haben sich mir tief eingegraben.

          Warum zum Beispiel werden aus starken Verben irgendwann schwache? Warum geht „buk“ in den sprachhistorischen Tiefen verloren und wird zu „backte“? Und warum scheint es nicht abwegig, dass der Satz „Gestern scheinte die Sonne“ bald nicht mehr als gänzlich falsch erachtet werden dürfte? Die Antwort ist die: Ohne dass ihnen das in der Regel bewusst wäre, gehen die Sprecher einer Gemeinschaft den Weg des geringsten Widerstands. Sie tun das, was am einfachsten ist. Beim Präteritum die „te“-Endung zu benutzen ist ökonomischer, als einen Vokalwechsel (schwimmen – schwamm) vorzunehmen.

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