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Deutschland : Berliner Mauer, anno 1952

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Ende 1952 sprachen Ulbricht, der Chef der SKK, Armeegeneral Tschuikow, in Personalunion Oberbefehlshaber der sowjetischen Besatzungstruppen, und sein Politischer Berater, Semjonow, über die kritische Lage und ihre Gründe. Ulbrichts Problem war die offene Sektorengrenze in Berlin. Wie aus dem Bericht der SKK und der Antwort des sowjetischen Außenministers Molotow hervorgeht, die beide bislang in der Diskussion über die erste Staatskrise der DDR keine Rolle spielten, da unbekannt, verlangte der ZK-Generalsekretär nichts weniger als die Schließung der Grenze zwischen dem Westen und dem Ostteil der Stadt.

Nach Ansicht Ulbrichts bot sich im Januar oder Februar 1953 eine gute Gelegenheit „zur Durchführung von Maßnahmen zum Schutz der Sektorengrenzen Berlins“. Der Hinweis auf die Pariser Verträge, die zu Beginn des Jahres 1953 ratifiziert werden sollten, werde „die Erläuterung der Notwendigkeit dieser Maßnahmen gegenüber der deutschen Bevölkerung gewährleisten“. Tschuikow hieß das Begehren Ulbrichts gut und leitete es weiter an Außenminister Wyschinskij. Auch der stimmte zu und legte das Ersuchen Ulbrichts am 25. Dezember 1952 Stalin vor. Begründung: Von West-Berlin aus werde eine „intensive Sabotagetätigkeit“ betrieben, vor allem in Gestalt der „Anstiftung des Wegzugs von ungefestigten Elementen aus der DDR nach Westdeutschland, der illegalen Verbreitung antidemokratischer Literatur in der DDR usw.“.

Die SKK erhielt zunächst keine Antwort. Erst am 18. März 1953 und damit nach Stalins Tod fasste der Ministerrat auf Vorschlag des neuen Außenministers Molotow einen Beschluss. Der Kreml lehnte Ulbrichts Ersuchen als „unannehmbar und überdies grob vereinfachend“ ab. Die Durchführung dieser Maßnahmen würde in Berlin „unausweichlich zur Zerstörung der gewohnten Ordnung des städtischen Lebens führen, eine Desorganisation in die städtische Wirtschaft hineintragen und sich dadurch auf die Interessen der Bevölkerung nicht nur West-, sondern auch Ost-Berlins auswirken“. Es würden „Erbitterung und Unzufriedenheit gegen die Regierung der DDR und die sowjetischen Behörden“ entstehen, „was von den drei Westmächten gegen die Interessen der DDR und der UdSSR ausgenutzt werden würde“. Auch erschiene dann „die Aufrichtigkeit der Politik der Sowjetregierung und der DDR-Regierung“ für die deutsche Einheit und den Abschluss des Friedensvertrags zweifelhaft. Das würde „den politischen Erfolgen ernsten Schaden zufügen, die in Westdeutschland als Ergebnis der Verwirklichung dieser gerechten Politik erzielt worden sind“. Die Errichtung eines Grenzregimes in Berlin würde zum „Schaden der Länder des Lagers des Friedens und der Demokratie“ die Beziehungen der Sowjetunion zu den Westmächten „komplizieren“, was zu vermeiden sei.

In der Zwischenzeit hatte sich die Lage in der DDR zugespitzt. Eine Warnung des Vorsitzenden der Staatlichen Plankommission, Rau, vor Überforderung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit war ignoriert worden. Die Waffenproduktion sowie die Forcierung von Schwerindustrie und Maschinenbau verlangten, diese Branchen vorrangig mit Ressourcen auszustatten. Gleichzeitig führten die Abhängigkeit von Rohstoffimporten aus den sozialistischen Ländern und die Reparationen an die Sowjetunion zu akuten Versorgungsnotständen. Die Kollektivierung der Landwirtschaft und die Zerschlagung des privaten Einzelhandels verschärften die Lage. Die Fluchtwelle schwoll an. Bald fehlte es überall an Fach- und Arbeitskräften.

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