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Deutsche Sprache : Hallo! Was geht? Alles gut!

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Das Deutsche ist eine reichhaltige Sprache und auf der ganzen Welt verbreitet. Aber mit der Sprachbeherrschung im Einwanderungsland Deutschland sieht es derzeit schlecht aus. Ein Gastbeitrag.

          13 Min.

          Das Deutsche gewinnt wieder an Bedeutung. Im Ausland verzeichnen die Goethe-Institute ein steigendes Interesse an den Sprachkursen. Auch weit entfernt von den Kernländern der deutschen Sprachgemeinschaft steigt das Interesse an der Sprache Goethes, etwa in Brasilien, Vietnam oder China. In Deutschland selbst herrscht derzeit - selten genug! - die einhellige Meinung vor, das Deutsche müsse so rasch und so gut wie möglich an die vielen Einwanderer vermittelt werden, die täglich aus fremden Kulturkreisen und anderen Sprachgemeinschaften in das Land strömen. Die Fehler der sechziger und siebziger Jahre dürften nicht wiederholt werden, denn viele Einwanderer würden wohl nicht mehr in ihre Heimat zurückkehren.

          Aber ist das Erlernen des Deutschen nicht eine Zumutung? Wer in dem Buch „Wörter und Regeln“ des kanadisch-amerikanischen Kognitionswissenschaftlers und Linguisten Steven Pinker stöbert, der stößt auf ein besonders amüsantes Kapitel. Es heißt „Die Schrecken der deutschen Sprache“. Es ist ganz im Geist jenes berühmten Zitats verfasst, das man Mark Twain oder auch Oscar Wilde zugeschrieben hat: „Das Leben ist zu kurz, um Deutsch zu lernen.“ Pinker beugt sich über die Verbformen sowie die Pluralformen der deutschen Substantive und stellt eine für ihn erschreckend große Formenfülle fest.

          Vorstandsvorsitzender der Stiftung Polytechnische Gesellschaft: Roland Kaehlbrandt.

          Als Deutschsprachiger ist man bei der Lektüre fast schon versucht, zu sich selbst aufzublicken angesichts der Tatsache, dass man offenbar besonders intelligent sein muss, wenn man diesen Formenreichtum spielend beherrscht. Aber zugleich denkt man voller Mitgefühl an all jene, die das lernen sollen. Im Gedächtnis haften bleibt das auch sonst immer wieder gehörte Urteil, das Deutsche sei schwer, umständlich und unzugänglich – und daher eigentlich auch als Fremdsprache und gar als grenzüberschreitende Sprache oder auch als Wissenschaftssprache beispielsweise dem Englischen unterlegen.

          Deutsch: Sprache für die guten Schüler?

          Das Urteil über die „schwierige“ deutsche Sprache hat etwa in Frankreich dazu geführt, dass das Deutsche eine Stellung wie in Deutschland das Latein oder das Altgriechische einnimmt, nämlich als Sprache „pour les très bons élèves“, für die besonders guten Schüler. Auch ist es alles andere als hilfreich, wenn es darum geht, Menschen zum Erlernen oder - im eigenen Land - zur Beibehaltung des Deutschen zu motivieren. Aber ist diese Sprache denn wirklich so schwer, kompliziert, undurchdringlich, kaum erschließbar?

          Das Deutsche hat einen sehr großen Wortschatz. Der Bericht zur Lage der deutschen Sprache aus dem Jahr 2013 nennt eine atemberaubende Zahl: 5,4 Millionen Wörter. Warum ist der deutsche Wortschatz so umfangreich? Wegen seiner fast unbegrenzten Kombinierbarkeit. Das Deutsche lädt geradezu dazu ein, neue Wörter aus bestehenden zusammenzusetzen. Man hat es deshalb auch Lego-Sprache genannt.

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