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Der Erste Weltkrieg : Falsche Zeit, falscher Ort

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Bild: ullstein bild

Als man Wilhelm zu Wied anbot, Fürst von Albanien zu werden, war der 37 Jahre alte Prinz Rittmeister des 3. Garde-Ulanen-Regiments in Potsdam, beliebt bei den Kameraden und gern gesehen in den besten Berliner Kreisen. Wilhelm II. war bei der Sache nicht wohl. Der Kaiser sollte mit seiner Ahnung recht behalten, dass der Deutsche sich blamieren würde.

          Bei seiner Ankunft in Durrës (Durazzo) am frühen Nachmittag des 7. März 1914 trug Prinz Wilhelm zu Wied seine neue weiße Galauniform und einen mit Pelz umhüllten Paradehelm. Der Fürst von Albanien war mit seiner Frau und seinen beiden Kindern an Bord der „Taurus“, eines Schiffes der österreichisch-ungarischen Kriegsmarine, von Triest in die selbstgewählte Hauptstadt seines Fürstentums gereist. Die Albaner jubelten. Endlich hatten sie einen „Mbret“ (König) - und was für einen!

          Auch ohne seinen Helm hätte der deutsche Prinz die Männer im Spalier um mehr als Haupteslänge überragt. Neben ihm schritt Prinzessin Sophie von Schönburg-Waldenburg in einem wallenden weißen Kleid, den Blick fest auf ihren Mann gerichtet. Beide lächelten. Es war ihr glücklichster Tag. Der österreichisch-ungarische Konsularattaché Theodor von Hornbostel berichtete nach Wien, dass die Ergebenheitskundgebungen der Albaner „an Enthusiasmus nicht zu wünschen übrigließen . . . Festliche Beleuchtung der Stadt, Feuerwerk, patriotische Demonstrationen und Umzüge beschlossen das Programm der Einzugsfeierlichkeiten, die allen Kreisen der Bevölkerung einen tiefen und befriedigenden Eindruck hinterließen.“ Die fürstliche Familie bezog ihre Residenz im Konak, dem ehemaligen Sitz des türkischen Gouverneurs. Sie sollte ihn während der zweihundert Tage ihres Aufenthaltes in Albanien selten verlassen.

          Deutsche Könige und Fürsten hielten sich lange auf dem Balkan: 135 Jahre in Griechenland - bis Konstantin II. nach dem Putsch der Obristen 1967 ins Exil ging; 81 Jahre in Rumänien - bis König Mihai aus dem Haus Hohenzollern-Sigmaringen unter dem Druck der Kommunisten abdankte; 67 Jahre in Bulgarien - bis zur Ausrufung der Volksrepublik und der Flucht der Familie Simeons II. von Sachsen-Coburg im Jahre 1946. Albanien hatte nur sechs Monate, von März bis September 1914, einen deutschen Fürsten. Es lag gewiss nicht nur an Wilhelm Friedrich Heinrich Prinz zu Wied, dass der letzte Versuch fehlschlug, auf dem Balkan eine deutsche Erbmonarchie zu etablieren, aber wohl auch an ihm. Der Preuße war zur falschen Zeit am falschen Ort gelandet. Und insgeheim wusste er das selbst am besten.

          Als man ihm den Thron anbot, war der 37 Jahre alte Prinz Rittmeister des 3. Garde-Ulanen-Regiments in Potsdam, beliebt bei den Kameraden und gern gesehen in den besten Berliner Kreisen. Er war mit einer bildhübschen jungen Frau verheiratet und Vater einer vier Jahre alten Tochter sowie eines sechs Monate alten Sohnes. Es widerstrebte seinem Wesen, vor große Entscheidungen gestellt zu werden. Sein Onkel, Kaiser Wilhelm II., schätzte seine „vornehme, ritterliche, feinfühlige Natur“. Der Prinz sei mit den Verhältnissen auf dem Balkan aber viel zu wenig vertraut gewesen, „um diese dornenvolle Aufgabe mit Erfolg übernehmen zu können“, hielt der Kaiser in seinen Memoiren („Erinnerungen und Gestalten aus den Jahren 1878-1918“) fest. Überhaupt war es Wilhelm „unsympathisch, dass ein deutscher Fürst sich dort blamieren sollte“. Immerhin hatte Prinz zu Wied sich erst einmal Bedenkzeit erbeten.

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