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Amerika : Was getan werden muss

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Warum die Vereinigten Staaten außenpolitisch an Einfluss verloren haben, aber die mit Abstand wichtigste Macht in der Welt bleiben werden. Eine Analyse und sechs Thesen nach dem 13. November 2015.

          13 Min.

          Das 21. Jahrhundert hatten die Vereinigten Staaten als unangefochtene Weltmacht betreten. Der alte Rivale Sowjetunion war zerfallen, sein Rechtsnachfolger Russland ein Schatten vormaliger Größe. Chinas Wirtschaftskraft machte trotz starken Wachstums nur ein Neuntel der amerikanischen aus und lag auf dem Niveau Italiens. Europa hatte es sich in der amerikanischen Schutzzone kommod eingerichtet und frönte Binnenprojekten. Washington erschien als gütige Vormacht, von der keine Gefahr ausging und gegen die sich niemand ernsthaft auflehnen wollte und konnte.

          Die amerikanische Wirtschaft brummte, es herrschte Vollbeschäftigung, die Dotcom-Euphorie befeuerte Silicon Valley und Wall Street. Im Präsidentschaftswahlkampf des Jahres 2000 stritten der Demokrat Al Gore und der Republikaner George W. Bush darüber, wie man die rapide wachsenden Haushaltsüberschüsse am besten ausgeben solle - für das Rückzahlen der Staatsschuld, für Steuererleichterungen oder für Infrastruktur- und Sozialprojekte? Der „unipolare Moment“, also der Augenblick uneingeschränkter amerikanischer Vorherrschaft, von dem der Journalist Charles Krauthammer nach dem Ende des Kalten Kriegs gesprochen hatte, schien „the new normal“, die neue Normalität der globalen Ordnung. Amerika stand im Zenit seiner Macht.

          Professor Dr. Stephan Bierling lehrt Internationale Politik an der Universität Regensburg.

          Der Terroranschlag vom 11. September 2001, genauer: die amerikanische Reaktion auf 9/11, veränderte alles. Nach der Vertreibung der Taliban und dem vermeintlich leichten Regimewechsel in Afghanistan führte Präsident Bush, getrieben von einem Mix aus Sicherheitsparanoia, Hybris und Allmachtsphantasien, sein Land in die Invasion des Iraks. Der Krieg war schwieriger und zermürbender als von der Regierung erwartet. Fast 4500 Amerikaner starben in einem Krieg, der eine Billion Dollar verschlang und sechs Jahre lang die außenpolitische Energie Washingtons absorbierte. Alte Verbündete wandten sich von den Vereinigten Staaten ab, Deutschland und Frankreich opponierten sogar offen gegen Washingtons Politik. Amerika erschien nicht mehr als wohlwollender Hegemon, sondern als Hypermacht, die wie ein Elefant durch die Weltpolitik trampelte.

          Vor allem zog die Invasion im Irak Aufmerksamkeit und Ressourcen vom Kampfschauplatz Afghanistan ab. Die Folge: Auch dieser Krieg wurde länger und teurer als nötig. Die Folterexzesse von Abu Ghraib und Guantánamo, das Waterboarding und die Geheimgefängnisse erschütterten das moralische Ansehen Amerikas. Zwar bemühte sich Bush in seiner zweiten Amtszeit, die Auswüchse seines Anti-Terror-Kampfs einzudämmen und multilateral zu agieren, aber es gelang ihm nur ansatzweise, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen. 2008 versetzte die Finanz- und Wirtschaftskrise Amerika einen weiteren Tiefschlag. Das Bruttoinlandsprodukt brach so stark ein wie seit der Großen Depression der 1930er Jahre nicht mehr, der Nimbus von der Überlegenheit des amerikanischen Wirtschaftssystems war dahin.

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