https://www.faz.net/-gpf-urvy

Zukunft des Sozialstaats : Soziale Marktwirtschaft

  • -Aktualisiert am

Diese Elemente hatte Walter Eucken in seinem 1950 posthum veröffentlichten Buch „Grundsätze der Wirtschaftspolitik“ im Einzelnen dargestellt. Natürlich gehört das Privateigentum an den Produktionsmitteln dazu, denn erst infolge der hierdurch wirksam werdenden Anreize für unternehmerisches Handeln kommt es zu größtmöglicher Effizienz und damit zur Verwirklichung eines der entscheidenden Vorzüge der Marktwirtschaft als solcher. Jedoch muss das Privateigentum an den Produktionsmitteln durch freie Preisbildung, Wettbewerb und offene Märkte gebändigt werden, damit es nicht zu wirtschaftlichen und sozialen Missständen kommt. Die dauerhafte Erhaltung dieser Bedingungen kann nicht ohne den Staat gelingen. Jener darf Preisbindungen, Kartelle und Monopole nicht dulden und muss für den ungehinderten Marktzugang neuer, auch ausländischer Anbieter sorgen. Zudem muss er den Geldwert stabil halten, um Fehlentwicklungen auf den Märkten vorzubeugen.

Wie stand es nun um die Verwirklichung dieser Elemente in der Nachkriegszeit? Inwieweit war die Politik Ludwig Erhards hierfür entscheidend? Nach 1945 brachen sich in Deutschland zunächst starke Sozialisierungsbestrebungen Bahn. Nicht nur SPD und Gewerkschaften traten für Verstaatlichungen ein, sondern auch Teile der CDU, wie das Ahlener Programm von 1947 belegt. Die britische Besatzungsmacht unterstützte ebenfalls die Sozialisierung bestimmter Schlüsselbranchen in Deutschland, was dem damaligen Vorgehen in Großbritannien selbst entsprochen hätte.

Die Stabilität der D-Mark verdankte man Amerika

Die amerikanische Militärregierung stellte sich diesen Tendenzen entgegen. Als etwa Ende 1946 in Hessen der einzeln zur Abstimmung stehende Sozialisierungsartikel der Landesverfassung die Zustimmung von mehr als 70 Prozent der Wähler erhielt, setzte die Besatzungsmacht dessen Vollzug aus. Im Gefolge des enormen Wirtschaftsaufschwungs seit Mitte 1948 schwand dann allerdings die Sozialisierungsbegeisterung. Die Vereinigten Staaten hatten die Sozialisierungsfrage also so lange offengehalten, bis sie sich von selbst erledigt hatte. Ohne sie hätte es Erhard als Wirtschaftsminister mit völlig anderen Ausgangsbedingungen zu tun gehabt.

Auch die Stabilität der D-Mark verdankte die junge Bundesrepublik im Wesentlichen den Amerikanern, nicht deutschen Politikern. Nicht nur war die Währungsreform von 1948 ein alliiertes Oktroi, sondern sie basierte im Wesentlichen auch auf dem amerikanischen Colm-Dodge-Goldsmith-Plan (CDG-Plan), der einen scharfen Geldschnitt und die endgültige Streichung des Geldüberhangs vorsah. Nach dem unter maßgeblicher Mitarbeit Erhards ausgebeiteten offiziösen deutschen Währungsreformplan (Homburger Plan) vom April 1948 dagegen wäre der Geldüberhang in sogenannte Reichsmarkliquidationsanteile umgewandelt worden. Wann und zu welchen Bedingungen diese später doch noch in neuem Geld ausgezahlt worden wären, war nicht zu kalkulieren. Erbitterter Streit ähnlich dem über die Aufwertungsfrage in der Weimarer Zeit wäre vermutlich die Folge gewesen, ganz zu schweigen von der latenten Bedrohung der Stabilität der neuen Währung.

Weitere Themen

Topmeldungen

Sogenannte Fußballfans in Bulgarien, einem „der tolerantesten Länder der Welt“?

Gegen den Hass : Die Strafen müssen weh tun

Im Fußball hat sich ein Klima entwickelt, in dem sich Rassisten und Nazis ungeniert ausleben. Sanktionen schlugen bislang fehl. Ohne Punktabzüge und Disqualifikationen wird es nicht gehen. Aber selbst das reicht nicht.
Wer zu den Besten in der Forschung gehören möchte, muss sich den Platz hart erkämpfen. Auch in Deutschland gibt es hierfür inzwischen Graduiertenschulen, die die Promovierenden unterstützen.

Spitzenforschung : Wo die Promotion zur Selektion wird

Amerikas Dominanz in der Spitzenforschung hat auch die hiesige Nachwuchsförderung kräftig umgekrempelt. Wer oben mitspielen will, muss an eine Graduiertenschule und sich von dort aus die begehrten Plätze erkämpfen.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.