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Krisenherd Naher Osten : Absichtsvoll zweideutig

  • -Aktualisiert am

Verfügt Israel über die atomare Option? Bild: AP

Ist Israel eine Atommacht? Das deutete Ministerpräsident Olmert bei einem Deutschland-Besuch im vergangenen Jahr an. Allerdings verweigert sich Israel seit langem jeder Diskussion über seinen Status. „Ohne die atomare Option“, sagte einst Schimon Peres, „wäre es nie zum Friedensprozess von Oslo gekommen“. Von Hans Rühle.

          Die Situation ist bizarr. Einerseits gibt es Fakten, die keinerlei Zweifel an der Existenz israelischer Nuklearwaffen lassen. Andererseits verweigert sich das Land seit 1963 jeder Diskussion über seinen Status. Eine neue Zeit schien anzubrechen, als der israelische Premier Ehud Olmert bei einem Deutschland-Besuch Anfang Dezember 2006 Israel in eine Reihe mit den Atommächten Vereinigte Staaten, Russland und Frankreich stellte. Die Überraschung dauerte nur kurze Zeit. Tags darauf „präzisierte“ Olmert seine Äußerungen, zog sich auf die stereotype Formulierung „Israel wird nicht das erste Land sein, das Nuklearwaffen im Mittleren Osten einführt“ von 1963 zurück und verlängerte den Status der „absichtsvollen Zweideutigkeit“.

          Israels nukleare Geschichte begann 1952 mit der Gründung der Israelischen Atomenergie-Kommission. Unmittelbar danach begannen die wissenschaftlichen Vorarbeiten für den Betrieb eines Atomreaktors. Gleichzeitig versuchten israelische Spezialisten, Kontakte zu Kollegen in befreundeten Staaten aufzunehmen. Es zeigte sich jedoch sehr schnell, dass insbesondere die Vereinigten Staaten für eine Zusammenarbeit auf diesem Gebiet nicht zu haben waren. Das Interesse Israels galt schließlich von Anfang an der militärischen Nutzung der Atomenergie.

          Israel setzte auf die französische Karte. Noch während der Suez-Krise, in der Frankreich und Israel zu den verbündeten Verlierern gehörten, nahm die atomare Zusammenarbeit erste Formen an. „Was hielten Sie davon, wenn Israel sich ein eigenes Vergeltungspotential schaffen würde?“, fragte Schimon Peres, der damalige Generaldirektor im israelischen Verteidigungsministerium, den französischen Verteidigungsminister Maurice Bourgès-Maunoury im November 1956. Ein Jahr später unterzeichneten Israel und die Regierung des sozialistischen Premierministers Mollet einen geheimen Vertrag über den Bau eines Schwerwasserreaktors. Darin versicherte Israel, den Reaktor nur für friedliche Zwecke zu nutzen. Dass diese Absicht nie bestand und die Vertragsparteien das auch wussten, wurde an den Nebenabreden und Folgeverträgen deutlich. Da Israel weniger an Forschungsergebnissen als an der Produktion von waffenfähigem Plutonium gelegen war, wurde gleichzeitig eine mündliche Vereinbarung über den Bau einer unterirdischen Wiederaufbereitungsanlage getroffen.

          Unterstützung durch Frankreich

          Der Bau des Reaktors begann um die Jahreswende 1957/58 nahe dem Ort Dimona in der Negev-Wüste. Ein Jahr später wurden die Erdarbeiten für die Wiederaufbereitungsanlage in Gang gesetzt. Dutzende Wissenschaftler aus Israel wurden in französischen Atomanlagen aus- und weitergebildet.

          Diese enge Beziehung endete abrupt, als der französische Staatspräsident de Gaulle 1959 zu erkennen gab, dass er den Atomvertrag mit Israel zu kündigen beabsichtige. Ein Jahr später verlangte die französische Regierung offiziell, dass Israel seine Projekte in Dimona der Weltöffentlichkeit bekanntmache. Außerdem solle Israel öffentlich erklären, dass es seine Atomanlage nur zu friedlichen Zwecken nutzen und internationale Inspektionen zulassen wolle. 1960 beendete Frankreich zwar sein formales Vertragsverhältnis, die Regierung erlaubte es französischen Firmen jedoch, die Arbeiten fortzusetzen. Israel verpflichtete sich, das Projekt mit der Begründung der friedlichen Nutzung öffentlich zu machen - was Ministerpräsident David Ben Gurion in der Knesset dann auch tat.

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