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Deutsche Geschichte(n) : Juden unerwünscht

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Das Fazit der Untersuchung, welchen Stellenwert die Bekundungen der jüdischen Zeitzeugen heute in der einschlägigen Literatur haben, lässt sich zugespitzt so formulieren: Juden unerwünscht. Sie bleiben selbst dort nahezu unbeachtet, wo ihre Bedeutung ausdrücklich betont wird.

Macht Saul Friedländers großes Werk „Die Jahre der Vernichtung. Das Dritte Reich und die Juden 1939-1945“ eine Ausnahme? Im Klappentext heißt es vielversprechend, er arbeite „mit einem überwältigenden Chor von Stimmen“. Nun, die oben erwähnten jüdischen Zeitzeuginnen kommen auch bei ihm nicht zu Wort, auch nicht so bekannte Juden wie Alfred Grosser, Werner Michael Blumenthal, Gerhard Löwenthal und Hans Rosenthal. Victor Klemperer hingegen, dem Friedländer „absolute Aufrichtigkeit“ attestiert, begegnet uns auf vielen Seiten, doch keines der oben angeführten Zitate. So gelingt es Friedländer mühelos zu behaupten: „Klemperer erschienen die Einstellungen der Bevölkerung . . . widersprüchlich“, ohne sich mit dessen „neunundneunzig Prozent . . . judenfreundlich“ und ähnlichen Angaben an anderen Stellen auseinandersetzen zu müssen.

Wenn nicht einmal die jüdischen Zeitzeugen gebührende Beachtung finden, dann überrascht es nicht, dass die anderen Quellen, die eingangs aufgezählt worden sind, so die Zensuren der Regimekritiker Ruth Andreas-Friedrich, Ursula von Kardorff, Erich Kästner und des Chefanklägers in Nürnberg, Robert H. Jackson, weitgehend ungenutzt versickern und bei dem eingangs zitierten Unwerturteil über „die Deutschen“ keine Rolle spielen.

Jochen Klepper, hochangesehener Literat, bis 1933 Mitarbeiter der SPD-Zeitung „Vorwärts“, hat, wie kaum ein Zweiter, das damals so bittere Joch des Judentums freiwillig geschultert und ist mit seiner jüdischen Frau sowie der jüdischen Stieftochter in den Tod gegangen, da er deren Deportation nicht hinnehmen wollte. Vorher hat er trotz allem eine für das deutsche Volk positive Bilanz gezogen: „Auch das, was Hanni heute von dem Verhalten selbst der recht nationalsozialistischen Südender und Steglitzer von der Marineoffiziersfrau bis zu den Frauen im Bäckerladen, von den Männern am Zeitungsstand bis zum kleinen Nachbarn des - wohl letzten - jüdischen, demolierten Geschäftes hier zu sagen hat, bestätigt, dass man am deutschen Volke nach wie vor nicht zu verzweifeln braucht. Das Volk ist ein Trost, seine moralische Ohnmacht eine furchtbare Sorge.“ Klepper ist Friedländer wohlvertraut. Doch derlei Äußerungen suchen wir in seinem Opus magnum vergebens.

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