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François Hollandes Entfesselung : Die Falltür des Präsidenten

  • -Aktualisiert am

Der Souverän am Schreibtisch: François Hollande im Elyssée-Palast. Bild: REUTERS

Geht es irgendjemanden an, wenn François Hollande eine neue Geliebte hat? Na klar: Im absolutistischen Frankreich ist alles Private politisch.

          6 Min.

          Wenn mein Vater einen Raum betritt, weiß man nie, durch welche Tür er ihn wieder verlässt.“ Dieses Urteil von Thomas Hollande, der der Wahlkampfmanager sowohl seines Vaters wie seiner Mutter Ségolène Royal war, erweist sich dieser Tage als die beste Charakterisierung des französischen Präsidenten. Niemand ahnte, dass der Hollande, den alle zu kennen glaubten, der biedere Linke mittleren Alters, gleich zwei Ausgänge im Blick hatte, einen romantischen und einen politischen. Er überraschte durch ein doppeltes Outing: als Sozialdemokrat und als Mann zwischen zwei Frauen, der in seinem Liebesleben ein einziges Chaos angerichtet hat.

          Die beiden Ausgänge passen auf den ersten Blick auch gar nicht richtig zueinander: Der eine ist ein politisch kalkulierter und schon lange vorbereiteter Ausgang aus dem eigenen Wählermilieu, eine Öffnung zur Mitte, der andere mehr so ein Sturz durch eine Bodenklappe – freier Fall in eine Krise mit völlig unvorhersehbarem Verlauf. Doch schaden wird beides ihm nicht, denn seine Lage war nun so lange schon so ungünstig, dass jede Art von Bewegung ein Fortschritt ist.

          Volkes Stimme

          Und bei aller Überrumpelung durch die Aktion der Paparazzi: Sie sollte nicht vergessen machen, dass die anhaltende Unbeliebtheit von Valérie Trierweiler eines der großen Probleme von Hollandes Amtszeit ist. Die Geschichten hatten die Runde gemacht in Paris. Wie sie darauf bestand, ihre Kinder aus erster Ehe bei seiner Amtseinführung in der ersten Reihe zu plazieren, auch wenn das Protokoll dies nicht vorsah. Und wie sie dann, weil es eben nicht machbar war, darauf bestand, dass auch seine Kinder dann nicht im Saal sein dürften, sondern all ihre Kinder von einem Nebenzimmer gemeinsam zuzusehen hätten.

          Der Präsident mit der Première Dame: François Hollandes und Valérie Trierweiler im Mai dieses Jahres.
          Der Präsident mit der Première Dame: François Hollandes und Valérie Trierweiler im Mai dieses Jahres. : Bild: AP

          Und er stimmte dem zu, obwohl doch seine Kinder bei seinem Wahlkampf entscheidend mitgearbeitet hatten. Es gab die Sache mit dem Tweet gegen die Ex Ségolène Royal und auch jene berühmte Szene bei einem der ersten Provinzbesuche Hollandes als Präsident: Eine Rentnerin eilt auf ihn zu und erklärt laut und deutlich: „Bitte heiraten Sie Valérie nicht, wir mögen die nicht!“

          In einem Präsidialsystem gibt es keine Trennung von privat und öffentlich. Es stammt mehr oder weniger direkt vom Absolutismus ab und teilt mit diesem das Merkmal, dass der Zustand des Haushalts der Regierenden von den Regierten immer als ein besonderes Zeichen ihrer Zeit gedeutet wird. Ohne den kollektiven Wahn bezüglich Marie Antoinette wäre die Revolution von 1789 kaum möglich gewesen.

          Eher Coup als Panne

          Jahrhunderte der politischen Propaganda haben den Franzosen beigebracht, den Staat nach dem Bilde der Familie zu verstehen, welcher ein Hausvater vorsteht. Die privaten Verhältnisse von Monarchen und Präsidenten sind immer ein Symbol dafür, wie der Staat zu seinen Bürgern steht; sie stehen immer im Verdacht der praktizierten Übervorteilung. Darum ist der Versuch von Hollande so rührend, seine neue Geschichte auf eine Debatte von Privatsphäre versus Paparazzi reduzieren zu wollen: Man kann nicht jeden Tag in allen Zeitungen stehen, sämtliche Fäden bis hin zur Nominierung von Theaterleitern und Museumsdirektoren in der Hand halten, den Staat selbst verkörpern und dann hoffen, es möge keiner hinsehen, wenn man jahrelang nachts ungewohnte Adressen ansteuert.

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