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Die EU und die Krim-Krise : Kryotherapie für Putin

Russlands Präsident empfängt UN-Generalsekretär Ban Ki-moon an diesem Donnerstag im Kreml: Der Westen setzt auf Putins Gier nach internationaler Anerkennung Bild: dpa

Der Spion, der in die Kälte muss: Der Westen versucht, den russischen Präsidenten durch internationale Isolation zur Vernunft zu bringen. Doch der ist abgehärtet.

          Man kann wirklich nicht sagen, dass Russland und der Westen keine gemeinsamen Interessen mehr hätten. Sogar in der Krim-Krise gibt es noch Verbindendes. Denn auch die westlichen Politiker hoffen, dass die Annexion der Halbinsel, die schon als unumkehrbar gilt, möglichst kontrolliert und unblutig abläuft. Kämpfe mit Toten und Verletzten könnten zu einer Eskalation der Krise führen, die keiner will. Sie würde die Politik der Schadensbegrenzung durchkreuzen: Protest ja – aber mit „Augenmaß“, wie es in der ersten Bundestagsdebatte nach Putins Handstreich mit anschließendem Triumphzug hieß.

          Die Kanzlerin antwortet auf die Vorgänge auf der Krim und auf das Schauspiel im Kreml in der unaufgeregten Weise, mit der sie alle Krisen angeht. Sie weiß, dass die Deutschen keinen Konflikt mit Russland wollen, schon gar nicht wegen einer Halbinsel, die nicht zu ihren Ferienkolonien gehört.

          Nicht Vergeltung, sondern Prävention

          Doch kennt Merkel Putin, den großrussischen Traum und die Ängste der davon Betroffenen gut genug, um zu wissen, dass man Moskau das überfallartige Verschieben von Grenzen in Europa nicht einfach durchgehen lassen kann. Gleichwohl ist das Ziel der westlichen Krisenpolitik nicht Vergeltung, sondern Prävention. Damit bringt die Kanzlerin fast alle Bundestagsparteien hinter sich. Die bisherigen Reaktionen auf das Kassieren der Krim waren eher symbolisch und tun Moskau nicht weh. Schmerzhaft für Russland würden erst die Wirtschaftssanktionen werden, mit denen die Verbündeten Putin davon abschrecken wollen, sein Spiel im Osten und im Süden der Rest-Ukraine fortzusetzen.

          Gegenwärtig bewegt sich die westliche Krisendiplomatie auf der Stufe zwischen diesen beiden Ebenen. Hollandes Absage des EU-Russland-Gipfels ist ebenso wie Merkels Ankündigung, dass es unter diesen Umständen die G 8 nicht mehr gebe, der Versuch, Putin die Kälte internationaler Isolation spüren zu lassen, die Russland im UN-Sicherheitsrat schon umgab.

          Ob das einen harten Mann, der mit nacktem Oberkörper durch Sibirien reitet, beeindruckt? Die Kryotherapie setzt auf Putins Gier nach internationaler Anerkennung, die auch in seiner Anschluss-Rede wieder sichtbar wurde. Im Osten der Ukraine wird sich zeigen, welche Bilder ihm wichtiger sind: die im Kreise der G-7-Regierungschefs oder jene, die ihn vor jubelnden Russen zeigen, weil er Russland wieder ein Stück größer gemacht hat.

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