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Die Briten und Putin : Schneidige Worte - aber nichts dahinter

Wladimir Putin Bild: Reuters

Britische Politiker halten gegen Russlands Präsidenten Putin die europäischen Werte hoch. Gleichzeitig hätscheln sie die reichen russischen Oligarchen.

          Auch im Vereinigten Königreich gehen die Meinungen auseinander, wenn von Wladimir Putin die Rede ist. Den äußersten Pol der Putin-Verächter markiert Prinz Charles, der britische Thronfolger, seit öffentlich geworden ist, dass er den russischen Präsidenten (im privaten Gespräch mit einer Nachfahrin von Holocaust-Opfern) mit Adolf Hitler verglichen hat. Auf der anderen Seite des Spektrums steht Nigel Farage, der seine populistische Unabhängigkeitspartei Ukip in diesem Jahr von Erfolg zu Erfolg führte. „Ich mag ihn nicht, ich würde ihm nicht vertrauen und ich wollte nicht in seinem Land leben; aber verglichen mit den Kindern, die in unserem Land Außenpolitik machen, nötigt er mir Respekt ab“, sagte er über Putin. Farages Blick auf Moskau und den Krieg in der Ukraine ist vor allem vom Hass auf Brüssel getrübt. Die EU habe die Ukraine mit ihrer Politik „destabilisert“ und deshalb „Blut an den Händen“, sagte er bei einer Fernsehdiskussion im Frühjahr.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Trotz der Spannbreite verläuft die Diskussion um das richtige Vorgehen gegenüber Russland weniger hitzig als in Deutschland und dringt kaum in die Tiefe der Gesellschaft vor. Dies mag daran liegen, dass das britische Verhältnis zu Moskau historisch und emotional weniger stark aufgeladen ist als das deutsche. Das Königreich schwankte nie zwischen den politischen Magnetfeldern und sah sich immer fest als westliche Macht verankert. Weil sich London gerne als europäischer Gralshüter westlicher Werte präsentiert, reklamierte die Mitte-Rechts-Regierung auch zu Beginn der Krim-Krise eine Führungsrolle. Die Briten, sagte der damalige Außenminister Philip Hammond, stünden „sehr weit vorne“, wo es um das Verurteilen der russischen Ukraine-Politik und das Werben für Sanktionen gehe – anders als „einige unserer europäischen Verbündeten, die weniger enthusiastisch sind“.

          „Scharfe Maßnahmen“

          Zwei internationale Konferenzen auf britischem Boden waren vom Konflikt mit Putin geprägt – das Treffen der G8, das letzte unter Einschluss des russischen Präsidenten, das die Eiszeit im Sommer 2013 gewissermaßen vorwegnahm, und der Nato-Gipfel im vergangenen September, bei dem sehr deutliche Worte gen Moskau fielen. Immer wieder tritt Premierminister David Cameron für „scharfe Maßnahmen“ ein, im November drohte er sogar weitere Sanktionen an, sollte Moskau nicht die Unterstützung der Rebellen in der Ostukraine einstellen. Sein Stellverteter, der Liberaldemokrat Nick Clegg, nennt den russischen Präsidenten auch schon mal einen „Tyrannen“.

          Inzwischen haben die meisten erkannt, dass nicht London, sondern Berlin das europäische Lager anführt. Die schneidigen Worte aus Großbritannien waren und sind nicht von Taten gedeckt. Selbst nach der Verhängung des Waffenembargos lieferte das Königreich noch Waffen an die Russen. Nur 34 der 285 entsprechenden Lizenzen seien ausgesetzt worden, bemängelte der parlamentarische Waffenkontrollausschuss im Sommer. Der Bericht bestärkte jene, die der britischen Regierung „Heuchelei“ vorhalten. Als London Paris dazu drängte, die Lieferung von Hubschrauberträgern nach Russland auszusetzen, erinnerte der Vorsitzende der französischen Sozialisten, John-Christophe Cambadélis, an die „vielen (russischen) Oligarchen, die Zuflucht in London suchen“ und empfahl Cameron, „erstmal vor der eigenen Türe zu kehren“.

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