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Die Akte Mixa : Kirchenversagen

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Was den Katholiken von ihrer Kirche zugemutet wurde, überschreitet das Maß - Walter Mixa Bild:

Wenn Bischof Mixas Lebenswandel, der dem Amt eines Bischofs nicht entsprach, bekannt war, warum haben ihn dann seine Mitbrüder im wahrsten Sinne des Wortes nicht rechtzeitig ins Gebet genommen? Ein Kommentar von Günther Nonnenmacher.

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          Wer sich in der Kirchengeschichte ein wenig auskennt, weiß, dass die Institution, deren Auftrag es ist, die Lehren Christi zu verkünden, von Makel nicht frei ist. Theologisch gesprochen: Auch Bischöfe und Priester waren und sind Sünder. Ins Allgemeine gewendet: Wo Menschen sind, da menschelt es. Aber das, was den Katholiken in Deutschland und darüber hinaus in letzter Zeit von ihrer Kirche zugemutet wurde, überschreitet doch das Maß dessen, was man fehlbaren Menschen allemal zubilligen muss. Da geht es um Missbrauch an Kindern und Jugendlichen in vielen Ländern, der sich offenbar nicht auf fehlgeleitete Einzelne beschränkt, sondern hinter dem manche inzwischen ein System vermuten, das aus den Lebenszumutungen heraus wächst, denen sich katholische Geistliche unterwerfen: Das Stichwort heißt Zölibat.

          Der Fall des Augsburger Bischofs Mixa weist auf ein anderes Phänomen hin. In der Institution Kirche, die nicht nur dazu berufen ist, ewige Wahrheiten zu verkünden, sondern die der Welt auch ein Vorbild geben sollte, was Würde und Anstand im Umgang miteinander bedeuten, geht es offenbar nicht viel anders zu als beispielsweise in politischen Parteien oder, um noch drastischer zu werden, in einem Kleingärtnerverein, in dem mit Haken und Ösen um den Vorsitz gekämpft wird. Anders lässt sich kaum erklären, wie diese Angelegenheit vollkommen aus dem Ruder laufen und zum Skandal werden konnte.

          Wenn, wie es jetzt heißt, Mixas Lebenswandel, der dem Amt eines Bischofs offenbar nicht entsprach, im Großen und Ganzen schon seit geraumer Zeit bekannt war, warum haben ihn dann seine Mitbrüder im wahrsten Sinne des Wortes nicht rechtzeitig ins Gebet genommen? Wenn es Verdachtsmomente schon in seiner Amtszeit als Schrobenhausener Stadtpfarrer und als Bischof von Eichstätt gab, warum wusste dann die kirchliche Hierarchie entweder nichts davon oder zog daraus nicht die notwendigen Konsequenzen? Wieso wurde die Causa Mixa in ihrer vorletzten Etappe so gehandhabt, dass der Anschein entstehen konnte, hier gehe es um die "politische" Auseinandersetzung zwischen einem "liberalen" und dem "konservativen" Flügel der Bischofskonferenz? Inzwischen ist die Sache so unappetitlich, dass man als Katholik kaum zu wünschen wagt, die ganze Wahrheit möge auf den Tisch kommen.

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