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Saboteure in der AfD : Der Spion, der uns triezte

Unter Beobachtung: AfD-Chef Bernd Lucke Bild: dpa

Über einen Newsletter verbreiten anonyme Saboteure Parteiinterna und diffamierende Informationen aus der AfD. Ihr konspiratives Verhalten erinnert an Spionagefilme. Ein Treffen mit dem Chef der Gruppe, der zu seiner Motivation sagt: „Ich bekämpfe Nazis“.

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          Manchmal denkt Andreas Hofer darüber nach, was wäre, wenn die Parteiführung der „Alternative für Deutschland“ (AfD) ihn erwischen würde. An solchen Tagen geht er in einen Telefonladen und kauft sich aus Gründen der Verschleierung eine neue Chipkarte für sein Handy. Er bezahlt mit Bargeld, ohne Namen, ohne Registrierung. Unterstützer der AfD könnten überall lauern, im Telefongeschäft, bei einem Funknetzbetreiber – sogar bei der Polizei, glaubt er. Wenn Hofer seine Informanten in der Partei anruft, stellt er sein Mobiltelefon so ein, dass auf dem Bildschirm des Angerufenen keine Nummer erscheint. Er sagt dann: „Hallo, hier ist Andreas Hofer.“ Dass das eine Lüge ist, wissen seine Gesprächspartner. Andreas Hofer war ein Tiroler Freiheitskämpfer im 19. Jahrhundert, der Anführer des Tiroler Volksaufstandes gegen die Armeen von Bayern und Frankreich. Der Hofer von heute heißt anders; doch auch er ist Anführer einer kleinen Bewegung, der „Résistance in der AfD“, wie er sie nennt – ein geheimes Netzwerk aus aktiven und ausgetretenen Parteimitgliedern, deren Geschäft die Sabotage ist.

          Justus Bender

          Redakteur in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nicht alle Quellen, die Hofer als solche bezeichnet, wissen von ihrer Funktion. Manchen wird ihre Unvorsichtigkeit zum Verhängnis, sie tratschen aus Vorstandssitzungen, vertrauen sich Parteifreunden an – und geraten dabei an Personen, die Hofer nahestehen. So kommt es, dass Hofer sagt, er habe Quellen im Bundesvorstand und in der Bundesgeschäftsstelle der AfD – obwohl unklar bleibt, ob es sich dabei um wirkliche Saboteure handelt. Die Parteiführung hält dies für unwahrscheinlich. „Dass die Autoren über Quellen im Bundesvorstand oder in der Bundesgeschäftsstelle direkt oder über Dritte verfügen, entspricht mit Sicherheit nicht den Tatsachen“, sagte ein Parteisprecher.

          Informanten geben Parteiinterna weiter

          Auch wenn manche durch Naivität zu Informanten werden könnten – die Mittelsmänner, die den Newsletter mit Parteiinterna beliefern, wissen genau, was sie tun. Die meisten von ihnen haben eine ähnliche Motivation wie Hofer. Sie sind Enttäuschte, die Opfer von Intrigen wurden, denen es vor einem Rechtsruck in der AfD graut oder die durch Indiskretionen politische Gegner bekämpfen wollen. Sie sammeln Dokumente, Mitgliederverzeichnisse, Entwurfspapiere und berichten von Sitzungen. Ihre Erkenntnisse geben sie an Hofer oder einen seiner Mitstreiter weiter, die vom jeweils anderen nur das Pseudonym kennen und sich nie persönlich begegnet sind. Sie nennen sich Melanie Jacob, Jochen Schroeder, Soeren Hinrichsen – und Andreas Hofer. Gemeinsam veröffentlicht das konspirative Quartett die Indiskretionen auf einer Internetplattform, die „Alternativer Newsletter“ oder „AN“ heißt.

          Nach eigenen Angaben verfügt Hofer über ein komplettes Verzeichnis aller Parteimitglieder, samt Privatadresse und Telefonnummer. Woher, das möchte er nicht sagen, auch nicht, ob es sich um Datendiebstahl handelt oder ob er einst rechtmäßig Zugriff auf das Verzeichnis hatte. Hofer ist zu einem Gespräch bereit, in einem Hotelrestaurant irgendwo in Deutschland, weit weg von seinem Wohnort. Da sitzt er vor einem Teller mit Filetsteak und Bohnen. Wahrscheinlich ist Hofer kein einfacher Mann, wenn man ihn gegen sich hat. Das Fleisch schmeckt ihm zum Beispiel. Er bittet die Kellnerin aber, dem Koch auszurichten, die Bohnen seien – freundlich ausgedrückt – nicht so gelungen.

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