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Devisen : Unsere Währung, euer Problem

  • -Aktualisiert am

Starker Euro, schwacher Dollar Bild: AP

Während die Schwäche des Dollar in Washington insgeheim mit Wohlwollen gesehen wird, bereitet sie den europäischen Exporteuren Sorgen.

          4 Min.

          "Der Dollar ist unsere Währung, aber euer Problem." Diesen Satz prägte vor mehr als 30 Jahren der damalige amerikanische Wirtschaftsminister John Connally. Der Gefolgsmann Präsident Richard Nixons brachte mit seiner im Ausland vielfach als hochmütig und unangemessen empfundenen Bemerkung eine Haltung zum Ausdruck, die bis heute die Einstellung amerikanischer Regierungen zum Außenwert des Dollar kennzeichnet: In Washington erregen Ausschläge im Wechselkurs der eigenen Währung nur in seltenen Fällen Aufsehen.

          Als weitaus wichtiger gilt seit vielen Jahren die Sicherung der Preisstabilität im Inland, für die die Notenbank unter Führung Alan Greenspans mit insgesamt gutem Erfolg Sorge trägt.

          Große Gelassenheit

          So wundert es denn auch nicht, daß die Talfahrt des Dollar gegenüber Währungen wie dem Euro und dem Yen, die schon im Frühjahr 2002 begonnen hatte und sich nach einer mehrmonatigen Phase der Ruhe nun wieder beschleunigt hat, in der amerikanischen Hauptstadt mit ungleich größerer Gelassenheit beobachtet wird als in Berlin, Paris oder Brüssel. Der amerikanische Finanzminister John Snow hält sich, wann immer von ihm ein Kommentar zum Wechselkurs erwartet wird, getreu an eine Formulierung, die einer seiner Vorgänger, Bob Rubin, in den neunziger Jahren gewählt hat: daß die amerikanische Regierung grundsätzlich an einem starken Dollar interessiert sei, die Kursfindung aber den Kräften des Marktes überlasse.

          Snow wird das Aufsehen in guter Erinnerung haben, das sein direkter Amtsvorgänger Paul O'Neill Anfang 2001 mit seiner Bemerkung erregte, Amerika betreibe gar keine Politik des starken Dollar; der (damals noch) hohe Dollar-Kurs sei vielmehr das Ergebnis der großen Wirtschaftskraft der Vereinigten Staaten. O'Neill hatte zwar recht mit seiner Äußerung, weil die amerikanische Notenbank weder auf ein Wechselkursziel noch zu regelmäßigen Devisenmarktinterventionen verpflichtet ist und darum auch keine explizite Wechselkurspolitik betreibt. Dennoch brachte der Minister die Märkte für kurze Zeit gehörig durcheinander.

          Im Interesse der amerikanischen Exporteure

          Die nach außen gekehrte Gleichgültigkeit sollte gleichwohl nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Schwäche des Dollar in Washington insgeheim vielfach mit Wohlwollen gesehen wird. Der billigere Dollar verbessert tendenziell die Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Exporteure, insbesondere in dem von der Wirtschaftsflaute der vergangenen Jahre gebeutelten verarbeitenden Gewerbe. Zahlreiche Unternehmen dieses für die amerikanische Wirtschaft wichtigen Zweigs melden seit einiger Zeit steigende Auftragseingänge von ausländischen Kunden. Eine höhere Ausfuhr könnte - bei sinkendem Import - dazu beitragen, das vielfach als gefährlich angesehene hohe Defizit in der amerikanischen Leistungsbilanz abzuschmelzen, das inzwischen mehr als 5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts beträgt. Außerdem dürfte ein kräftiger Exportzuwachs die Neigung von Regierung und Kongreß in Washington verringern, zum mutmaßlichen Schutz amerikanischer Unternehmen und Arbeitsplätze zu protektionistischen Maßnahmen zu greifen.

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