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Deutschland und Frankreich : 150 Jahre nach der Kaiserproklamation – Freundschaft über den Rhein hinweg

  • -Aktualisiert am

Die Deutsch-Französische Parlamentarische Versammlung tagt Bild: dpa

Vor 150 Jahren beschossen Deutsche Paris und proklamierten ihr Kaiserreich in Frankreich. Heute haben sich Deutsche und Franzosen für Freundschaft entschieden. Für Frieden und Wohlstand in Europa. Ein Gastbeitrag.

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          Frankreich und Deutschland sind im Wesentlichen ganz Europa“, schrieb Victor Hugo 1842 in seinem Werk „Der Rhein“. Die wechselvolle Geschichte unserer Nationen prägte den Kontinent. Heute braucht es mehr denn je unsere enge Partnerschaft, denn nur gemeinsam werden wir in der globalisierten Welt erfolgreich sein. Unsere Parlamente tragen dabei eine besondere Verantwortung. Mit der gemeinsamen Kammer, die in dieser Woche tagen wird, kommen wir ihr nach.

          Die deutsch-französische Freundschaft wuchs über den Schlachtfeldern der Vergangenheit. Zu ihnen gehört der Krieg vor 150 Jahren, aus dem der deutsche Nationalstaat hervorging. Heute jährt sich die Proklamation Wilhelms I. zum deutschen Kaiser in Versailles. Der Kontrast an diesem 18. Januar 1871 hätte nicht größer sein können: Während sich im Prunk des Spiegelsaals die deutschen Fürsten versammelten, stand die französische Hauptstadt unter schwerem deutschen Beschuss.

          Das Verhältnis war lange vergiftet

          Die Pariser Bevölkerung litt unter Hunger, Krankheiten und Kälte, zermürbt von einer vier Monate währenden Belagerung.

          Der 18. Januar, ein Schlüsselereignis der deutschen Geschichte, hatte folgenschwere Auswirkungen auf das deutsch-französische Verhältnis, das über Jahrzehnte hinweg vergiftet wurde. Frankreich, eingenommen und in Sedan gedemütigt, setzte auf Revanche gegenüber Bismarcks Reich.

          Richard Ferrand, Präsident der französischen Nationalversammlung, und Wolfgang Schäuble, Präsident des Deutschen Bundestages
          Richard Ferrand, Präsident der französischen Nationalversammlung, und Wolfgang Schäuble, Präsident des Deutschen Bundestages : Bild: dpa

          Die Mächtekonkurrenz führte in den Ersten Weltkrieg. 1919, erneut in Versailles, musste das besiegte Deutschland einen Vertrag mit harten Bedingungen und damit einhergehenden Reparationsforderungen unterzeichnen. Dies trug bei zum Aufstieg des Nationalsozialismus, der nicht nur unsere beiden Länder in den Zweiten Weltkrieg stürzte.

          Nationalismus, Pangermanismus und andere Ausschließlichkeitsansprüche hatten beiderseits des Rheins nichts als Dramen zur Folge. Kein Reich, keine Revanche: Wir haben uns für die Freundschaft entschieden und damit Frieden und Wohlstand für ganz Europa geschaffen.

          Die Geister der Vergangenheit ruhen lassen, um uns für die Zukunft zu wappnen, dies ist das wichtigste Anliegen der Deutsch-Französischen Parlamentarischen Versammlung.

          Gemeinsame Strategien entwickeln

          Aufgeklärte Denker wie Victor Hugo oder nach ihm der Friedensnobelpreisträger Ludwig Quidde ergründeten lange vor unserer Zeit den Weg zur europäischen Einigung. Kaum einer unserer Vorfahren hätte sich jedoch vorstellen können, dass einmal ein Teil des deutschen und ein Teil des französischen Parlaments eine gemeinsame Versammlung bilden würden, um zusammen Beschlüsse zu fassen. Um über gemeinsame Strategien für eine europäische Innovationsunion zu beraten.

          Sogar über Wege zu einer gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik, die sich nicht – wie in der Geschichte – im Aushandeln eines brüchigen Mächtegleichgewichts verliert. Die sich vielmehr darum bemüht, trotz unterschiedlicher Verfassungstraditionen und nationaler Rechtslagen, unterschiedlicher strategischer Prioritäten und verteidigungspolitischer Kulturen gemeinsame Interessen, Ziele und Strategien zu definieren, um eine vertiefte auch militärische Zusammenarbeit beider Staaten zu ermöglichen.

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