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Deutschland als Anschlagsziel : Im Fadenkreuz

Zwei Streifenwagen stehen am Mittwoch vor dem NRW-Landtag in Düsseldorf Bild: dpa

Dass ein geplanter Terroranschlag in Deutschland noch nicht zum Ziel führte, gleicht einem Wunder. Damit Angriffe aber auch in Zukunft nicht gelingen, gibt es zwei Dinge, an die man sich hierzulande halten sollte.

          Es fällt schwer, sich an den Gedanken zu gewöhnen, es sei womöglich nur eine Frage der Zeit, dass auch Deutschland zum Opfer eines islamistischen Terroranschlags vom Ausmaß der Angriffe vom November 2015 auf Paris werde. Nichts anderes steckt hinter der gebetsmühlenartigen Antwort des Bundesinnenministeriums auf die Frage nach der Bedrohungslage: Deutschland stehe „ebenso wie andere europäische Staaten im Fadenkreuz des internationalen Terrorismus“.

          Dass es einem Wunder gleicht, dass ein geplanter Angriff noch nicht zum Ziel führte, bestätigte sich am Donnerstag mit der Meldung der Bundesanwaltschaft, vier aus Syrien entsandte Terroristen des „Islamischen Staats“ hätten in Düsseldorf eine ähnliche Anschlagsserie wie die in Paris geplant. Die Festnahme dreier mutmaßlicher Täter in Deutschland folgt außerdem Äußerungen der vergangenen Monate aus Ministerien und Behörden, die durchblicken lassen, dass an der Entschlossenheit und an der Fähigkeit des IS, mit allen Mitteln einen Terrorkrieg in die Metropolen der westlichen „Ungläubigen“ zu tragen, noch weit weniger zu zweifeln ist als im Falle von Al Qaida.

          Es gibt zwei Dinge, an die man sich angesichts dieser neuen Art von Kriegsführung halten kann. Zum einen ist es klug, den Sicherheitsbehörden nicht bei jeder Gelegenheit die Demontage des Rechtsstaats vorzuwerfen, wenn sie nach neuen Mitteln der „Überwachung“ rufen. Denn sie machen jenes Wunder möglich. Im vorliegenden Fall mag es auf der Aussage eines Überläufers beruhen, dass die Anschlagspläne bekannt wurden. Nur eine Überwachung kann aber dazu führen, die Wege, Absichten und Mittel der Täter aufzuklären.

          Zum anderen hilft es nicht weiter, Zweifel an der Widerstandskraft einer bürgerlichen Gesellschaft und ihres Staates zu säen – und der Strategie des Terrorismus damit auf den Leim zu gehen. Auch ein vereitelter Terroranschlag ist dazu leider in der Lage, weil er eine Stimmung verbreiten kann, auf die jede Form von Extremismus setzt – Angst, Unvernunft, Spaltung. Es macht die Sache sicher nicht leichter, dass die jetzt Festgenommenen über die Balkan-Route eingereist sein sollen. Aber auch und gerade das gehört zum Kalkül dieser Kriegsführung.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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