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Deutsches Rettungsschiff : Lifeline-Kapitän erhebt schwere Vorwürfe gegen Deutschland

  • Aktualisiert am

Musste sich vor einem maltesischen Gericht verantworten: Claus-Peter Reisch, Kapitän des Rettungsschiffs Lifeline Bild: Reuters

Deutliche Kritik vom in Malta vor Gericht stehenden Kapitän der „Lifeline“: Claus-Peter Reisch fühlt sich vom deutschen Staat allein gelassen. Lob für das Engagement der Seenotretter kommt derweil aus Bayern.

          Der Kapitän des deutschen Rettungsschiffs „Lifeline“, Claus-Peter Reisch, hat dem deutschen Staat vorgeworfen, ihn im Stich gelassen zu haben. Mehrere Staaten hätten sich bereit erklärt, Flüchtlinge von seinem Schiff aufzunehmen, sagte Reisch am Donnerstag. Deutschland hätte in seinen Augen nichts Erkennbares dazu beigetragen, die Situation zu lösen. Als Staatsbürger fühle man sich „da schon ein Stück weit allein gelassen“.

          Reisch kritisierte, dass private Seenotretter kaum noch im Mittelmeer unterwegs sein könnten. „Man zieht jetzt einfach einen Vorhang vor dieses Schmierentheater, damit niemand mehr sehen kann, was da passiert.“ Trotz des Prozesses in Malta will Reisch seine Arbeit fortsetzen. „Ich denke, wenn die Lifeline einen Kapitän braucht, dann werde ich sicher zur Verfügung stehen“, sagte er. Viele in der Mannschaft wären ebenfalls zu einem Einsatz bereit.

          Reisch steht als Kapitän des auf Malta liegenden Rettungsschiffs „Lifeline“ vor Gericht. Ihm wird vorgeworfen, das Schiff ohne ordnungsgemäße Registrierung in maltesische Gewässer gesteuert zu haben. Die „Lifeline“ der in Dresden ansässigen Hilfsorganisation Mission Lifeline musste fast eine Woche auf dem Meer ausharren, nachdem sie rund 234 Migranten vor Libyen gerettet hatte. Mehrere Länder hatten sich geweigert, das Schiff in einen Hafen einlaufen zu lassen.

          Bayerischer Landtag lobt Seenotretter

          Erst nach der Vereinbarung, dass mehrere EU-Länder Migranten des Schiffes aufnehmen werden, erlaubte Malta die Einfahrt in den Hafen von Valetta. Deutschland war nicht unter den Ländern, die sich zur Aufnahme von Migranten bereit erklärt hatten. Reisch darf demnächst nach Deutschland ausreisen, will aber zum nächsten Prozesstermin am 30. Juli nach Malta zurückkehren.

          Unterdessen hat der bayerische Landtag das ehrenamtliche Engagement von Seenotrettern im Mittelmeer gelobt. „Die Rettung von Menschen aus Not ist ein Gebot von Mitmenschlichkeit, sie ist auch bei Schiffbrüchigen im Mittelmeer geboten“, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Donnerstag in München. Zugleich warnte die CSU-Fraktion in einem entsprechenden Antrag davor, „dass sich die in der Seenotrettung Engagierten nicht zum Werkzeug skrupelloser Schlepperbanden machen lassen“ dürften. „Es ist leider auch ein brutales Geschäft von Schleuserbanden.“

          Um die Zahl der Flüchtlinge, die sich in nicht für das Mittelmeer geeigneten Booten auf den Weg nach Europa machen, zu senken, müssten Asylzentren in nordafrikanischen Ländern errichtet und zugleich die EU-Außengrenzen besser geschützt werden. „Wir brauchen wesentlich mehr Geld für die Entwicklungshilfe“, betonte Herrmann. Er appellierte an die große Koalition in Berlin, im Bundeshaushalt finanzielle Spielräume für die Entwicklungshilfe zu ermöglichen.

          SPD und Grüne im bayerischen Landtag kritisierten, dass Seenotretter in der politischen Debatte oft kriminalisiert würden und bezogen dies auch ausdrücklich auf Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU). Statt der Besatzung des Rettungsschiffes „Lifeline“ für ihren Einsatz zu danken, habe Seehofer lediglich angekündigt, den Kapitän zur Rechenschaft zu ziehen, sagte Grünen-Fraktionsvorsitzende Katharina Schulze. „Wer einen anderen Menschen rettet, ist immer ein Held“, betonte sie. Auch SPD und Freie Wähler sprachen sich dafür aus, die Seenotrettung im Mittelmeer zu verstärken, scheiterten mit ihren Anträgen aber an der absoluten Stimmmehrheit der CSU.

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