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Nato-Kommentar : Deutschland als Selbstverteidiger?

  • -Aktualisiert am

Zwei Entwicklungen prägen Deutschlands Rolle in der Welt: Militärische Zurückhaltung und große Exportüberschüsse. Daraus folgen die Baustellen der Regierung.

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          Manches, was Donald Trump über die transatlantischen Beziehungen sagt, mutet immer noch merkwürdig an. Dass die Nato den Europäern mehr nütze als den Amerikanern, wie er beim Arbeitsbesuch der Kanzlerin in Washington behauptet hat, geht an der Sache vorbei. Die westliche Allianz bietet den Vereinigten Staaten seit Jahrzehnten den strategischen Zugriff auf Europa, eine der wichtigsten Regionen der Weltpolitik. Wäre es nicht so, dann hätten schon Trumps Vorgänger die Nato aufgegeben.

          Aber der Präsident hat recht, wenn er gerade die Deutschen daran erinnert, dass ein Bündnis eine einigermaßen faire Lastenteilung erforderlich macht. Merkel hat das in Washington anerkannt. Die große Frage lautet, ob die Bundesregierung dem nun auch mehr Taten folgen lässt als bisher.

          Trump wird in Deutschland von vielen Bürgern und Politikern als Zumutung empfunden, wenn nicht gar als Risiko für die globale Stabilität. Diese Sorgen sind angesichts des nationalistischen, sprunghaften und selbstverliebten Stils des Präsidenten durchaus berechtigt. In den Beziehungen zu Deutschland nimmt Trump allerdings eine Kritik auf, die vor ihm auch andere Partner unseres Landes geäußert haben.

          Die deutsche Stellung in der Welt ist seit vielen Jahren von zwei Entwicklungen gekennzeichnet, die fast automatisch zu Konflikten mit Verbündeten führen: militärische Zurückhaltung und große Exportüberschüsse. Schon in der EU hat das immer wieder Irritationen hervorgerufen, nicht zuletzt in Frankreich. In Europa ist Deutschland stark genug, um sein Modell durchzusetzen. Gegenüber dem immer noch sehr mächtigen Amerika wird es da schwieriger, auch weil es kein überragendes gemeinsames Interesse mehr gibt wie zu Zeiten des Kalten Krieges.

          Es kann sein, dass den Europäern in nächster Zeit ein harter Konflikt mit der Trump-Regierung nicht erspart bleibt, sowohl in der Handels- wie in der Iran-Frage. Aber ganz unabhängig davon liegt es im ureigensten deutschen Interesse, unser Modell weniger angreifbar zu machen.

          Eine wirtschaftlich starke Mittelmacht sollte ihre Verteidigung so weit wie möglich selbst gewährleisten. Und die Finanzkrise hat gezeigt, dass die Anlage deutscher Sparvermögen im Ausland (das ist die Kehrseite der Exportüberschüsse) nicht immer eine gute Idee ist. Hier liegen die wahren Baustellen der Koalition.

          Nikolas Busse
          Verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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