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Deutscher Brigadegeneral : „Russen reagierten angemessen in Georgien“

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Frieden am Horizont? Georgische Polizei wartet am Freitagabend darauf, in Gori wieder das Kommando zu übernehmen Bild:

In der deutschen Botschaft in Moskau ist der russische Militäreinsatz in Georgien wenige Tage nach der Eskalation in Südossetien als angemessen beurteilt worden. Augenzeugen bestreiten diese Darstellung. Sie sprechen von „Terrorbeschuss“ auf Gori. F.A.Z.-Fotograf Helmut Fricke dokumentiert, wie sich dort nun die Russen anscheinend zurückgezogen haben.

          In der deutschen Botschaft in Moskau ist der russische Militäreinsatz in Georgien als angemessen beurteilt worden. Noch Tage nach dem georgischen Angriff auf Südossetien schrieb der Verteidigungsattaché der deutschen Botschaft in Moskau, Brigadegeneral Heinz G. Wagner: „Das Maß der militärischen Gewaltanwendung von russischer Seite erscheint - von hier aus betrachtet und trotz gegenteiliger Meldungen aus Georgien und dem Pressebild - nicht unangemessen hoch.“

          Russland habe nach dem georgischen Angriff „unzweifelhaft“ reagieren müssen, heißt es nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (F.A.S) in dem internen Vermerk vom 11. August. Verteidigungsattaché Wagner schrieb, die russischen „friedenssichernden Kontingente“ in Südossetien seien „aufgrund ihrer Bewaffnung und Ausrüstung nicht in der Lage, sich nachhaltig zu schützen oder gar zu wehren“.

          Georgische Luftwaffe durch Angriffe am Eingreifen gehindert

          Um die Friedenskontingente zu verstärken, russische Bürger zu schützen und den Status quo ante wiederherzustellen, habe Russland sicherstellen müssen, dass die Landstreitkräfte der 58. Armee sich ohne Bedrohung durch die georgische Luftwaffe hätten bewegen können, heißt es weiter. Dafür sei die georgische Luftwaffe durch Angriffe am Eingreifen gehindert worden.

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          Zudem seien Reparatureinrichtungen für Flugzeuge, die an zivilen Flughäfen, etwa in Tiflis, eingerichtet gewesen seien, beschossen worden; ebenso wie Fernmeldeeinrichtungen, die „teilweise in der Nähe bewohnter Gebiete stehen“. Die russische Luftwaffe habe außerdem Eisenbahnlinien und Häfen angegriffen, um Verstärkungen und Transporte für die georgischen Truppen zu unterbinden. „Der Einsatz der Luftstreitkräfte - trotz der bedauerlichen zivilen Opfer - kann militärisch gesehen als der Operation angemessen gesehen werden“, heißt es in dem Vermerk, der sich auf in Moskau vorliegende „offene Quellen“ stützt.

          „Das war Terrorbeschuss“

          Augenzeugen bestritten diese Darstellung teilweise. So sei am Morgen des 8. August eine Bombe im Zentrum von Gori abgeworfen worden, sagte der deutsche Osteuropa-Historiker Hubertus F. Jahn der F.A.S.. Er erlebte die Detonation aus nächster Nähe. „Das war Terrorbeschuss“, sagte Jahn. Eine andere Bombe habe am gleichen Tag ein leeres Industriegebäude in Gori getroffen. Insgesamt bestätigte Jahn aber, dass die russische Luftwaffe nicht wahllos bombardiert habe.

          Derweil hat die Bundesregierung an diesem Samstag vorsichtig ihren Ton gegenüber Russland verschärft. Bundesaußen minister Frank-Walter Steinmeier (SPD) appellierte an Moskau, die Waffenstillstandsvereinbarung in Georgien vollständig zu befolgen. „Jetzt kommt es darauf an, dass wirklich alle Bestimmungen des Waffenstillstands umgesetzt werden“, sagte Steinmeier dieser F.A.S. (Siehe auch: Berlin fordert vollständigen Rückzug der Russen aus Georgien)

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