https://www.faz.net/-gpf-t2kv

Deutsche Marine in den Nahen Osten : „Dies ist kein Einsatz ohne Risiko“

  • Aktualisiert am

Abschied für die deutschen Marinesoldaten Bild: AP

Die deutsche Marine ist zum ersten Einsatz im Nahen Osten in See gestochen. Binnen zwei Wochen sollen sie vor der libanesischen Küste eintreffen. Von einem historischen Tag spricht Verteidigungsminister Jung.

          2 Min.

          Die deutsche Marine ist auf dem Weg in den ersten Nahost-Einsatz in der Geschichte der Bundeswehr. An diesem Donnerstag liefen in Wilhelmshaven acht Schiffe mit rund tausend Soldaten an Bord aus. In zehn bis vierzehn Tagen sollen sie im Einsatzgebiet vor der libanesischen Küste ankommen. Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) sprach von einem historischen Tag.

          Angehörige der Soldaten verabschiedeten sich teils unter Tränen. Der Bundestag hatte am Mittwoch das Mandat für die Beteiligung der Bundeswehr an der UN-Friedenstruppe Unifil bis August 2007 erteilt. Nach Einschätzung in Politik und Militär wird der Einsatz aber viel länger dauern.

          „Gut, daß es jetzt in See geht“

          Jung wies Sorgen und Ängste zurück, die Soldaten würden auf einen Kriegsschauplatz geschickt. Es gehe um Friedenssicherung für Israel, den Libanon und die ganze Region sowie den wichtigen Auftrag, den fragilen Waffenstillstand zu unterstützen. Dies sei auch im deutschen Interesse. Die Terrorgefahr in Deutschland nehme dadurch nicht zu, sondern ab. Jung sagte abermals: „Dies ist kein Einsatz ohne Risiko.“ Er werde aber mit „Augenmaß, Sensibilität, Flexibilität und dem notwendigen Feingefühl“ geführt.

          Jung mit Flotillenadmiral Krause: „Gut, daß es jetzt in See geht”

          Mit einem feierlichen Appell wurden die Besatzungen der Fregatte „Mecklenburg-Vorpommern“ als Führungsschiff, der Fregatte „Karlsruhe“, des Einsatzgruppenversorgers „Frankfurt am Main“, des Tenders „Elbe“ sowie von vier Schnellbooten verabschiedet. Mit ihnen liefen auch drei dänische Schiffe aus. Kommandeur des internationalen Marine-Einsatzes, an dem sich auch noch Schweden, Norwegen und die Niederlande beteiligen, ist der deutsche Flottillenadmiral Andreas Krause. Er sagte: „Gut, daß es jetzt in See geht.“

          Das wiederholte Abschiednehmen von den Liebsten habe damit ein Ende. Gerüchte und Unsicherheiten über den Einsatz seien bei den Vorbereitungen nicht leicht zu schultern gewesen. Mit diesem UN-Einsatz betrete die Marine Neuland. Krause sagte: „Wir übernehmen mit dem Einsatz keinen ungefährlichen Auftrag, aber wir sind bestmöglich ausgestattet, und ich bin mir sicher, daß uns in diesem Einsatz nichts begegnen wird, mit dem wir nicht fertigwerden können“. Sein ganzes Bestreben sei, die Männer und Frauen wieder wohlbehalten nach Hause zu bringen.

          „Wahrhaft historische Mission“

          Der Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Wolfgang Nolting, sprach von einer „wahrhaft historischen Mission“. Er sehe ihr mit „Ruhe, professioneller Gelassenheit und hoffnungsvollen Erwartungen entgegen.“ Laut Mandat kann die Bundeswehr bis zu 2.400 Männer und Frauen der internationalen Mission mit insgesamt 15.000 Soldaten zur Verfügung stellen.

          Hauptaufgabe der Marine ist es, das Seegebiet von 50 Meilen vor der libanesischen Küste zu überwachen und Waffenlieferungen an die radikal-islamische Hizbullah im Libanon zu verhindern. (Siehe auch: Libanon-Einsatz: Spezialkräfte an Bord)

          Der israelische Botschafter in Deutschland, Schimon Stein, bezeichnete im Berliner „Tagesspiegel“ Warnungen vor einer Konfrontation von deutschen und israelischen Soldaten als unbegründet. „Ich sehe diese Gefahr nicht, weil dieses Szenario völlig theoretisch ist“, sagte Stein. Die deutschen Soldaten würden nicht an der libanesisch-israelischen Grenze eingesetzt, sondern leisteten ihren Dienst zur See. (Siehe auch: FAZ.NET-Spezial: Mit erhöhtem Einsatz)

          Weitere Themen

          „Es war ein quid pro quo“ Video-Seite öffnen

          Sondland belastet Trump schwer : „Es war ein quid pro quo“

          Der amerikanische Botschafter bei der EU, Gordon Sondland, sagte in der Anhörung für das von den oppositionellen Demokraten angestrebte Amtsenthebungsverfahren, auf Anordnung Trumps sei Unterstützung für die Ukraine von Gegenleistungen der dortigen Regierung abhängig gemacht worden.

          Topmeldungen

          Hinter den Häusern und Kirchen der Innenstadt in München sind am Morgen die Berge sichtbar.

          Bauvorhaben und Infrastruktur : Bayern und seine Schwächen

          Bayern steht gut da, doch auch im Freistaat hakt es mancherorts außerordentlich. In München droht gar ein verkehrspolitisches Desaster – das bald womöglich den Vergleich mit dem Berliner Flughafen nicht mehr scheuen muss.
          Peter Feldmann bei einem Besuch im Awo-Jugendhaus im Frankfurter Gallusviertel im Jahr 2014.

          Peter Feldmann und die Awo : Das Schweigen des Oberbürgermeisters

          Weil die Arbeiterwohlfahrt seine Ehefrau zu ungewöhnlich guten Konditionen beschäftigt haben soll, steht Peter Feldmann stark unter Druck. Die Awo rechtfertigt derweil die hohe Bezahlung der Frau des Frankfurter Oberbürgermeisters – und hat noch in einem anderen Fall Probleme.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.