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Deutsche im Irak verurteilt : Tod durch den Strang

Im Dienste des Terrors: Zahlreiche Frauen fanden sich in den kämpfenden Reihen des IS – darunter auch Deutsche. Bild: dpa

Immer wieder hat die Terrormiliz „Islamischer Staat“ in Europa weibliche Mitglieder rekrutiert – auch aus Deutschland. Nun droht einer Frau aus Mannheim im Irak die Todesstrafe.

          Eine Deutsche marokkanischer Abstammung ist im Irak wegen der Mitgliedschaft bei der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) zum Tode verurteilt worden. Das Auswärtige Amt bestätigte am Sonntag die Verurteilung der Frau, machte darüber hinaus aber keine Angaben zu dem Fall. Ein Sprecher des Strafgerichts in Bagdad teilte mit, die Frau sei wegen der Mitgliedschaft in der IS-Miliz zum Tode durch den Strang verurteilt worden. Das Urteil war bereits am vergangenen Donnerstag gesprochen worden.

          Johannes Leithäuser

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Die Deutsche sei im vergangenen Sommer von irakischen Truppen bei der Eroberung der Millionenstadt Mossul im Norden Iraks gefangen genommen worden. Er gab weiter an, die Frau habe gestanden, mit ihren beiden Töchtern aus Deutschland nach Syrien gereist zu sein und sich dann im Irak dem IS angeschlossen zu haben. Sie sei für schuldig befunden worden, an Anschlägen auf irakische Sicherheitskräfte beteiligt gewesen zu sein und logistische Unterstützung für die Islamisten geleistet zu haben.

          Viele Kampfwillige auch aus Deutschland

          Der IS-Terrormiliz, die seit 2014 in Syrien und im Norden Iraks große Gebiete eroberte, um dort die Errichtung eines Kalifats zu erreichen, hatten sich mehrere tausend Ausländer angeschlossen. Auch aus Deutschland waren viele Kampfwillige, oft mit arabischen Wurzeln, zu diesem Zweck nach Syrien und in den Irak gereist. Das für Terrorismusfälle zuständige Gericht teilte laut Agenturmeldungen weiter mit, die verurteilte Deutsche könne gegen ihre Verurteilung nun Berufung einlegen.

          Die deutschen Behörden sind offenbar mit dem Fall der Deutschmarokkanerin vertraut und mit ihr in Kontakt gewesen. Laut einer Meldung der „Süddeutschen Zeitung“ stammt die Frau aus Mannheim. Sie sei nach ihrer Verhaftung von Beamten des Bundeskriminalamts im Irak vernommen worden. Bei der Gefangennahme in Mossul im vergangenen Sommer seien außer einer Tochter der Verurteilten noch weitere Frauen aus Deutschland gefangen genommen worden.

          In Deutschland hatte zuletzt der nordrhein-westfälische Verfassungsschutz vor einer zunehmenden Radikalisierung muslimischer Frauen gewarnt. Es gebe inzwischen ein sogenanntes „Schwestern-Netzwerk“ mit rund 40 weiblichen Mitgliedern, die für ihre extremistischen Vorstellungen offensiv würben und oft Führungspositionen einnähmen, die früher von Männern versehen worden seien.

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