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Deutsche Bischofskonferenz : Eher Marx als Meisner

Erzbischof Marx ist als Nachfolger für Lehmann im Gespräch, kann jetzt aber noch nicht übernehmen Bild: dpa

Die deutschen Bischöfe wünschen sich als Vorsitzenden einen Mann, der moderiert, nicht polarisiert - vielleicht aber auch einen Übergangskandidaten. Ob der insgeheime Favorit, Erzbischof Marx, dieses höchste Würdenamt schon übernehmen kann, müssen jetzt die Kirchenjuristen entscheiden.

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          Wenn an diesem Montagnachmittag die 69 katholischen Bischöfe Deutschlands in Würzburg zu ihrer Frühjahrsvollversammlung zusammenkommen, dann ist ihnen beträchtliches Interesse der Öffentlichkeit gewiss. Denn mögen sie auch diesmal die meiste Zeit der üblichen Konferenzroutine frönen - die eigentliche Nachricht dürfte ein Name sein.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Zu wählen ist am Dienstagvormittag der Nachfolger des Mainzer Kardinals Lehmann im Amt des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz.

          Vorher werden sich die Bischöfe noch mit dem Liturgiebuch zur Feier der Kindertaufe beschäftigen, Fragen der tridentinischen Messe erörtern, einen Zwischenbericht zum möglichen Engagement der Kirche in der Mediengesellschaft entgegennehmen und das Paulus-Jahr näher ins Auge fassen. Sie werden einen Aufruf zur Solidarität mit den Christen im Heiligen Land verabschieden, Berichte über die Situation der Kirche in China sowie über eine Delegationsreise der Deutschen Bischofskonferenz nach Kamerun hören und einen Studientag dem Thema „Ehe und Familie“ widmen. Sie müssen die Leitlinien für multireligiöse Feiern von Christen, Juden und Muslimen überarbeiten sowie den EU-Vertrag von Lissabon bewerten.

          Rücktrittstpläne wegen Marx?

          Ursprünglich wollte Lehmann, der vor 21 Jahren Vorsitzender wurde, sein Amt im kommenden September und damit zur Mitte seiner vierten, im September 2011 endenden Amtszeit zur Verfügung stellen. Indes entschied er sich im Januar unter dem Eindruck lebensgefährlicher Krankheitssymptome, zum 18. Februar zurückzutreten; die Vollversammlung der Bischöfe soll nun seinen Nachfolger wählen. Doch ob dieser Plan aufgeht, muss sich zeigen.

          Denn mochte Lehmann in den vergangenen Wochen auch von Krankheit gezeichnet sein - es wurde gemutmaßt, sein Rücktritt diene dem Ziel, Reinhard Marx als Vorsitzenden der Bischofskonferenz zu verhindern. Der sei vor erst zwei Wochen in sein Amt als Erzbischof von München und Freising eingeführt worden, also komme der Vorsitz der Bischofskonferenz für ihn zu früh. Doch die Logik der Unterstellung erschließt sich nicht recht: Sollte Lehmanns Nachfolger erst während der Herbstvollversammlung gewählt werden, stünden keine anderen Kandidaten zur Wahl als jetzt. Und wer im Februar seine Stimme Marx nicht geben möchte, wird es wohl kaum ein halbes Jahr später tun. Doch wie eine Wahl am Dienstag verhindern, um für Marx ein wenig Zeit zu gewinnen?

          Die Papstwahl dient als Vorbild

          Bislang hat die Mehrheit der Konferenzmitglieder vor jeder Wahl eines Vorsitzenden darauf geachtet, dass es weder vor noch zwischen den Wahlgängen eine Personaldebatte gebe. Immer zogen die Bischöfe das auch bei der Papstwahl übliche Verfahren vor, den Vorsitzenden in schriftlicher und geheimer Abstimmung zu ermitteln. Lehmann wurde 1987 mit einfacher Mehrheit gewählt und zuletzt im September 2005 mit Zweidrittelmehrheit im Amt bestätigt.

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