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Deutsche Bank winkt wieder ab : Ackermann: Wir sind stark genug

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Ackermann: „Ein bisschen Gelassenheit wäre ganz gut gewesen” Bild:

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann lehnte abermals jegliche finanzielle Unterstützung durch die Bundesregierung ab. Die Deutsche Bank benötige den Rettungsschirm des Staates nicht, betonte Ackermann in einem Interview: „Wir werden aus heutiger Sicht nicht mitmachen, weil wir ja stark sind.“

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          Die Deutsche Bank hat bekräftigt, jede finanzielle Unterstützung durch die Bundesregierung abzulehnen. Der Vorstandsvorsitzende Ackermann sagte am Sonntag im Zweiten Deutschen Fernsehen: "Wir werden aus heutiger Sicht nicht mitmachen, weil wir ja stark sind." Sein Unternehmen habe in den schwierigen Zeiten Gewinn gemacht. Es benötige den staatlichen Rettungsschirm nicht.

          Die Regierung hatte den Deutsche Bank-Chef bereits scharf kritisiert, weil er den staatlichen Rettungsfonds, an dem sein Haus selbst mitwirkte, vehement abgelehnt hatte. Ackermann sagte dazu: „Ich verstehe die Diskussion überhaupt nicht. Ich bin dankbar, dass wir das Geld für die einsetzen können, die es nötig haben. Und die anderen, die es mit allen Mitteln versuchen, es eigenständig zu machen, die sollten doch nicht kritisiert werden.“ Deutschland sollte stolz darauf sein, eine Bank zu haben, die in schwieriger Zeit Gewinn erziele. Die Deutsche Bank benötige den staatlichen Rettungsschirm nicht.

          Bundesregierung für schnelles Handeln „beglückwünschen“

          Zu den Spannungen mit Regierungsmitgliedern und auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte Ackermann, die Deutsche Bank habe in der Finanzkrise mit Milliarden von Euro viel zur Rettung von Unternehmen beigetragen. „Wenn es mal ein Missverständnis gibt, wäre ein bisschen Gelassenheit vielleicht ganz gut gewesen.“ Ein Vertrauensverhältnis werde aber nicht so schnell zerstört. Die Bundesregierung sei für ihr schnelles Handeln „zu beglückwünschen“. „Wir brauchen ein stabiles Finanzsystem. Und die Banken, die eher schwächer dastehen, die sollen so rasch wie möglich gestärkt werden.“

          Die Sparer bei der Deutschen Bank müssten keine Angst um ihr Geld haben. Mit dennoch von der Finanzkrise betroffenen Kunden müsse in Einzelfällen gesprochen werden, wenn sie schlecht beraten worden seien.

          „Selbstverständlich bleibe ich“

          Für Aufregung hatte vor rund zwei Wochen die vom Magazin „Der Spiegel“ zitierte Äußerung von Ackermann gesorgt: „Ich würde mich schämen, wenn wir in der Krise Staatsgeld annehmen würden.“ Die Deutsche Bank hatte erklärt, dieses Zitat sei nur kolportiert worden. Die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ berichtete nun, nach einer von der Deutschen Bank autorisierten Mitschrift habe Ackermanns vor Führungskräften gesagt: „Es wäre eine Schande, wenn wir einräumen müssten, dass wir Geld vom Steuerzahler brauchen.“ Ein Deutsche-Bank-Sprecher wollte sich dazu am Sonntag nicht äußern. „Kein Kommentar“, sagte er und verwies darauf, dass es sich um eine interne Veranstaltung gehandelt habe. In der ZDF-Sendung korrigierte Ackermann die Darstellung des „Spiegel“ nicht.

          Auf die Frage, ob er persönliche Konsequenzen ziehe, sagte er: „Selbstverständlich bleibe ich.“ Auch wenn viele es gern sähen, wenn sich die Deutsche Bank zurücknähme und „mit allen ins Boot steigt“, wäre das nicht im Interesse Deutschlands und des Finanzplatzes. „Gerade eine Bank zu haben, die stark dasteht, ist auch für Deutschland sehr wichtig ... Es hat doch keinen Wert, dass wir uns selbst schwächen, um beliebt zu sein und unsere Rolle in der Welt nicht mehr zu spielen.“

          Merkel: Stabilisierungspaket in Anspruch nehmen

          Ackermann sagte: „Es gibt drei unterschiedliche Banken. Die einen sind die, die wirklich schwach sind und gerettet werden müssen. Die sollten so schnell wie möglich unter den Rettungsschirm.“ Die anderen stünden noch gut da, hätten aber eine Kapitalquote, die im internationalen Vergleich nicht ausreichend sei. „Auch die sollten entweder Kapital über den Kapitalmarkt beschaffen oder vom Risikoschirm profitieren.“ Und dann gebe es noch die starken Banken. Diese sollten versuchen durchzukommen, „ohne sich vom Steuerzahler helfen lassen zu müssen.“

          Bundeskanzlerin Merkel (CDU) hatte die deutschen Banken zuvor dazu aufgerufen, das Stabilisierungspaket in Anspruch zu nehmen. Sie warnte in ihrer Videobotschaft am Wochenende davor, dass mittelständische Unternehmen leiden müssten. Die Banken müssten deshalb ihre ureigene Aufgabe, Kredite zu vergeben, wieder in vollem Umfang wahrnehmen. Berichte, wonach die Regierung erwäge, die Freiwilligkeit der Staatshilfe nach britischem Vorbild in eine Zwangshilfe umzuwandeln, wurden nicht bestätigt. Es liege bei den Banken, die Hilfen anzunehmen, hieß es aus dem Bundesfinanzministerium, das seit Tagen verbreitet hatte, mehrere deutsche Banken seien an dem Rettungsfonds interessiert.

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