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Trotz Wirecard-Skandal : Anlegeranwalt Nieding kritisiert Nominierung von EY

  • -Aktualisiert am

Die Wirecard Zentrale in München. Bild: Reuters

Ein Anlegerschützer kritisiert, dass die Deutsche Bank an EY als Abschlussprüfer festhalten will, obwohl der Wirecard-Skandal noch nicht abschließend aufgeklärt ist. Er ist nicht er einzige, der diese Entscheidung kritisch beäugt.

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          Der auf Bank- und Kapitalmarktrecht spezialisierte Rechtsanwalt Klaus Nieding kritisiert die Entscheidung der Deutschen Bank, die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY weiter mit der Prüfung der Geschäftszahlen des Kreditinstituts beauftragen zu wollen. „Wir finden es gar nicht gut, dass die Deutsche Bank an EY als Abschlussprüfer festhalten will“, sagte Nieding auf Nachfrage der F.A.Z. Die Entscheidung sei übereilt, weil der Wirecard-Skandal und die Rolle von EY noch nicht abschließend geklärt seien. EY war für die Prüfung der Jahresabschlüsse des im Juni 2020 wegen milliardengroßer Bilanzlöcher in Insolvenz gegangenen ehemaligen Dax-Werts Wirecard verantwortlich. Dadurch hat der Ruf der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft arg gelitten. Namhafte Unternehmen wie die Telekom oder die Fondsgesellschaft DWS haben sich aus diesem Grund von EY als Abschlussprüfer getrennt. Die DWS hatte in großem Umfang Wirecard-Aktien für die Fonds ihrer Kunden gekauft und erlitt hohe Verluste durch den Kurseinbruch der Wirecard-Aktie. Muttergesellschaft der DWS ist die Deutsche Bank, die nach dem Wirecard-Skandal ebenfalls klären wollte, ob EY sich noch als ihr Wirtschaftsprüfer eignet. Erst 2020 hatte EY den Konkurrenten KPMG als Prüfer der Deutschen Bank abgelöst.

          Klaus Nieding ist stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz DSW.
          Klaus Nieding ist stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz DSW. : Bild: Wonge Bergmann
          Mark Fehr
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nach Kritik von Aktionären auf der Hauptversammlung des Kreditinstituts im Frühjahr dieses Jahres hatte das Unternehmen das Mandat gleich noch einmal neu ausgeschrieben. Wie gerade bekannt geworden ist, hat EY diese Ausschreibung nun gewonnen und würde daher Abschlussprüfer der Deutschen Bank bleiben, falls deren Aktionäre auf der Hauptversammlung im kommenden Jahr diesem Vorschlag des Aufsichtsrats zustimmen. Die Aussicht, das prestigeträchtige Mandat bei der Deutschen Bank zu behalten, dürfte eine wichtige psychologische Stütze für EY sein. Denn vollständig ausgestanden ist der Wirecard-Skandal noch nicht.

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          So vertritt etwa Klaus Niedings Rechtsanwaltskanzlei Nieding + Barth über eine eigens dafür eingerichtete holländische Stiftung 40.000 Wirecard-Anleger, die Ansprüche unter anderem gegen EY stellen. Nieding ist auch Vizepräsident der Anlegerschutzvereinigung DSW. Diese hatte im Frühjahr betont, dass die für Wirtschaftsprüfer übliche Haftungsbegrenzung auf vier Millionen Euro nicht gelte, falls EY bei der Prüfung von Wirecard die Regeln des Berufsstands der Wirtschaftsprüfer verletzt haben sollte. Das Landgericht München I hat in einigen Anlegerklagen schon entschieden – bisher immer zugunsten von EY. Die Kläger müssen nachweisen, dass die Wirtschaftsprüfer die Jahresabschlüsse von Wirecard als korrekt testierten, obwohl sie von den Bilanzlöchern wussten oder hätten wissen müssen.

          Die neue EY-Führung hat in einem Interview im Juni beteuert, dass die Wirecard-Prüfer in guter Absicht und nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt hätten. „Auch wir sind Betrogene“, sagten damals Henrik Ahlers und Jean-Yves Jégourel, die EY Deutschland seit April leiten, und wiesen damit den Vorwurf des Vorsatzes zurück. EY hatte im April angekündigt, das Vertrauen in seine Prüfungsarbeit nach dem Wirecard-Skandal im Rahmen einer langfristigen Initiative namens „Trust in Quality“ stärken zu wollen. Zudem hat der Aufsichtsrat von EY im April eine unabhängige Expertenkommission unter dem Vorsitz des ehemaligen Bundesfinanzministers Theo Waigel sowie der ehemaligen Bundeswirtschafts- und Bundesjustizministerin Brigitte Zypries ins Leben gerufen, um das Unternehmen und seine Maßnahmen zu evaluieren und zu beraten. Auch untersucht die Abschlussprüferaufsicht APAS die Rolle von EY im Wirecard-Skandal.  

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