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Deutsch-russissche Beziehungen : Geld und Männerfreundschaften

  • -Aktualisiert am

Karriereschmiede: Deutsche Manager bei Putin Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Männerfreundschaften spielen in Rußland eine große Rolle. Auch Ex-Stasimitarbeiter Matthias Warnig ist mit Putin bekannt und hat im Ausland Karriere gemacht. Jetzt wird er mit Schröder das Gaspipeline-Projekt führen.

          Bewiesen ist es nicht, daß sich der Stasispäher Matthias Warnig und der KGB-Offizier und Agentenwerber Wladimir Wladimirowitsch Putin bereits in der Spätzeit der DDR in Dresden kennengelernt haben oder daß sie gemeinsam Würstchen verzehrten und Radeberger Pils tranken beim Palaver über gemeinsame Ausspähungsvorhaben. Aber die Zielrichtung ihrer Arbeit zu dieser Zeit war im Grundsatz gleich: Es ging gegen den Klassenfeind in Deutschland-West.

          Heute ist der „Tschekist“ Putin Präsident der Erdgasmacht Rußland, Warnig ist Repräsentant der Dresdner Bank in Rußland. Er soll zu Beginn der neunziger Jahre als Türöffner für die Dresdner Bank großen Erfolg gehabt haben, die er zuvor angeblich ausspähte. Warnigs ehemaliger Chef in der Bank, Bernhard Walter, hat die frühe Bekanntschaft Putins und Warnigs, der bestritt, seinen späteren Arbeitgeber ausgespäht zu haben, ins Reich der Fabel verwiesen.

          Warnig verschwieg frühere Stasi-Tätigkeit

          Warnig soll im Zuge der Bewerbung bei der Dresdner Bank seine frühere Stasi-Tätigkeit verschwiegen und sich lediglich zu seiner Arbeit für das Ost-Berliner Wirtschaftsministerium bekannt haben, schrieben die Zeitungen vor einem Jahr, nachdem das „Wall Street Journal“ eine Agentengeschichte über Warnig veröffentlicht hatte und alle möglichen Spekulationen ins Kraut schossen. Eine Überprüfung, meinte Walter später, habe nichts ergeben, das Bundesverfassungsgericht habe die Akte geschlossen, und Leute wie Warnig habe man zur Wendezeit wegen ihrer Russischkenntnisse händeringend für Geschäftsanbahnungen in Rußland gesucht.

          Warnig, so Walter, habe Putin, damals Beauftragter des Oberbürgermeisters für ausländische Investitionen, erst 1991 in Sankt Petersburg kennengelernt. Daraus wurde dann offenbar eine persönliche Bekanntschaft mit zunehmend freundschaftlichem Charakter zwischen den beiden ehemaligen Geheimdienstlern mit dem verwandten Stallgeruch. Warnig half, als Putins Frau Ljudmilla nach einem Unfall zur Behandlung nach Deutschland gebracht werden mußte.

          Neben Geld zählt die Männerfreundschaft

          Geschadet hat dies dem Geldhaus nicht. Die Dresdner Bank war unter den ersten westlichen Geldinstituten, die in Rußland eine Lizenz erhielten und danach immer wieder lukrative Aufträge von staatlichen Strukturen und Gasprom erhielten, als Putin bereits Präsident war. Der 49 Jahre alte Warnig schottete sich nach der Geschichte des „Wall Street Journal“ gegen jede Mediennachfrage ab. Die Moskauer Gemeinschaft der deutschen Geschäftsleute hielt ebenfalls dicht.

          Und wer mochte schon Warnigs geschiedene Frau Bärbel in Moskau nach Paparazzi-Art belästigen, um Näheres über die Vergangenheit Warnigs oder dessen späteren Erfolge in Rußland herauszubekommen. Ohnehin zweifelte niemand daran, Dresdner Agentenbekanntschaft hin oder her, daß Warnig mehr als ein Türöffner war, sondern für sein Haus zu nutzen wußte und weiß, was in Rußland in der Wirtschaft außer Geld noch zählt: vor allem persönliche Bekanntschaften und Männerfreundschaften.

          Geld muß nun mal verdient werden

          Aber irgendwie anrüchig blieb es doch, daß ausgerechnet ein vermeintlicher oder wirklicher Stasi-Mann für ein Geldhaus, das für eine konservativ-demokratische Welt stand, in Rußland Geschäfte anbahnte und durchziehen half. Und bei jedem Geschäft der Dresdner Bank ließen es sich amerikanische Medien oder britische Boulevardzeitungen nicht nehmen, Warnigs Rolle mit dem Unterton moralischer Entrüstung zu erwähnen.

          „Non olet“, lautete jedoch knapp der übliche Kommentar in Wirtschaftskreisen, wenn man nach der Wertehierarchie in diesem Zusammenhang fragte. Geld müsse nun einmal verdient werden, wo sollten sonst die Arbeitsplätze herkommen. Das gelte für Amerikaner oder Briten gleichermaßen, und die Aufgeregtheit wegen Warnigs Person entspringe nur dem Neid der Konkurrenz.

          Warnig und Schröder: Zusammen für die Pipeline

          Was Männerfreundschaft bedeutet, weiß auch Altbundeskanzler Schröder zu schätzen. Das Zustandekommen der neuen Erdgasleitung durch die Ostsee hat schließlich auch etwas mit der Männerfreundschaft zu Putin zu tun. Und zwei erfahrene „Männerfreundschaftler“, Warnig und Schröder, sollen nun die neue Pipelinegesellschaft anführen: Schröder als Aufsichtsratsvorsitzender und Warnig als Vorstandschef.

          Wenn das nicht ein Beweis für die Verwirklichung der deutschen Einheit ist! Einer der russischen Verantwortlichen für den Bau der Pipeline war sich übrigens sicher, das alles gutgeht: Die Deutschen seien verläßliche Partner, das habe man bereits festgestellt, als man in der DDR mit ihnen zusammengearbeitet habe.

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