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Der Weg der Dorade : Ein Fisch auf Reisen

Vor der Küste Senegals beißt der Fisch in den Haken - drei Tage später schon brutzelt er auf dem Herd eines Restaurants im Taunus. FAZ.NET hat eine Dorade von Dakar nach Frankfurt mit der Kamera begleitet.

          6 Min.

          Träge schwappen die Wellen um den Bug der Piroge. Die Mittagshitze steht über dem Atlantik. Zale Diau lehnt am Heck. Er ist 23, trägt eine weiße Schirmmütze schief auf dem Kopf, ein abgenutztes Ortungsgerät um den Hals, eine grüne Latzhose und graue Gummistiefel. Der Fischer schaut auf das GPS-Gerät und fährt zu den Stellen, wo dicke Steine auf dem Meeresgrund liegen. Dort jagt die Dorade nach Fischen und knackt Muscheln und Krustentiere mit ihren hervorstehenden Schneidezähnen.

          Jochen Stahnke

          Politischer Korrespondent für Israel, die Palästinensergebiete und Jordanien mit Sitz in Tel Aviv.

          Andreas Brand

          Videoredakteur bei FAZ.NET.

          Diau fischt mit seinen jüngeren Brüdern: Moussa, 14, zerteilt Sardinen, den Köder. Ablaye, zwölf, spießt die Stücke auf die Haken. Ibrahima, 21, wirft die Leinen aus.

          Zwanzig Kilometer vor der Küste Senegals beißt die Dorade in den Köder. Diau zieht die Leine hinauf, packt seine zappelnde Beute, drückt die stachelige Rückenflosse nach unten, pult den Fisch vom Haken und wirft ihn auf den Boden seiner Piroge. Die Dorade landet im Bilgenwasser, das der Atlantik an Bord des schmalen Holzbootes gespült hat. Mit dem Kopf schlägt sie gegen eine Planke. Die Kiemen versuchen, Sauerstoff in den Körper zu pumpen, bis der Fisch erstickt ist. Der Fischer zieht die Leine weiter ein, vierzig Haken hat sie. An drei Haken hängen Doraden. An den anderen nur die Köder. Oder kleine Seeteufel, die oft anbeißen. Diau wirft sie zurück ins Meer. Die Doraden legt er in eine mit Eis gefüllte Styroporkiste.

          So gehen die Doraden auf ihre lange Reise

          Die vier Brüder fischen bis zum Abend, an dem sich eine leichte See erhebt. Nur 16 Doraden haben sie gefangen.

          Auf der Rückfahrt singt der kleine Ablaye, irgendwann schläft er ein. Nach einer Dreiviertelstunde erreichen sie Mbour an der Petite Côte, südlich von Dakar. Hunderte Pirogen liegen hier vor Anker, im ganzen Land sollen es mehr als 15.000 sein. Bunt sind sie mit Lobpreisungen Allahs bemalt. Andere tragen den Namen ihres Besitzers oder den eines örtlichen Heiligen. Die Großpirogen sind oft zehn Tage auf See, genug, um vor der Küste von Liberia oder Sierra Leone Fang zu machen. Mit der gleichen Menge Sprit gelangt man in derselben Zeit auch auf die Kanarischen Inseln. Aber die meisten der 47 000 Pirogenfischer bleiben in Senegal. So wie Diau.

          Er lenkt seine Piroge auf den Strand. Dann hebt er die Kiste mit der Dorade von Bord, trägt sie zusammen mit seinem Bruder über den Strand. In der Abenddämmerung wimmelt es vor Menschen. Hier seien sie jetzt doppelt so viele wie vor zehn Jahren, erzählt Diau. Männer bieten Plastiktüten feil, bettelnde Kinder halten Diau ihre Plastikschüsseln entgegen, Träger eilen über den Sand. Die Frauen verkaufen Fisch. Meeräschen, Sardinen, Tintenfische liegen im Sand. Doraden nicht. Die sind zu teuer, Senegalesen essen kaum noch Doraden.

          Händler brüllen Preise

          Die Brüder bringen ihre Kiste zur Fischauktionshalle am Ende des Strandes. Am Eingang stehen Wächter in Militärhose und Militärweste. Sie verlangen Wegzoll und verströmen harmlose Boshaftigkeit. Die Diaus zwängen sich mit der Kiste hinein. In der Halle ist es voll, Kunden begutachten Paletten mit Zackenbarsch und Barracuda, Händler brüllen Preise in die Luft.

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