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Frauen in der Linkspartei : Der Rosa-Luxemburg-Komplex

  • -Aktualisiert am

Ikone der linken Jugend: Julia Bonk Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Alte Männer sind das Problem der Linkspartei. Doch inzwischen hat sich eine Generation ehrgeiziger Nachwuchspolitikerinnen nach oben gearbeitet. Die junge Rebellinnen sind intelligent, erfolgreich - und sie sehen gut aus.

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          Katja Kipping steht in der Dresdner Fußgängerzone und verteilt Frauenpostkarten. Darauf sollen Männer ankreuzen, dass sie in Zukunft die Spülmaschine nicht nur ein-, sondern auch mal ausräumen oder sich mehr um die Kinder kümmern wollen. „In Sachen Gleichberechtigung gibt es noch einiges zu tun“, sagt sie.

          Ein Mann mittleren Alters kommt vorbei und erwidert, das sei nicht sein Problem. „Aber vielleicht das Ihrer Frau“, kontert Katja Kipping. „Nein, wir lieben uns“, lautet die Antwort.

          Frustration im Geschlechterkampf

          Frustration im Geschlechterkampf. „Männer verstehen das Eintreten für Frauenrechte noch immer als persönlichen Angriff“, sagt die junge Bundestagsabgeordnete. Sie denken beim Frauentag nur an Blumen – und nicht an Gleichberechtigung.

          Vorreiterin: Sahra Wagenknecht

          Katja Kipping hat sich in ihrem jüngsten Buch an einem „Machiavelli für Frauen“ versucht, wo sie über die „Falle Galanterie“, die „taktischen Evergreens der Männer“ und das Sprengen von „Fesseln der Bescheidenheit“ schreibt. „Netzwerke“ sollen die Waffen der jungen Frauen werden – und es sind nicht die aus kuschliger Wolle gestrickten Netze weiblicher Softskills.

          Denn alte Männer sind das Problem der Linkspartei. Nicht weil die Frauenquote die männliche Doppelspitze aus Lothar Bisky und Oskar Lafontaine nicht erreicht. Sondern weil die Partei im Kern von älteren Herren gewählt wird: Im Westen macht die Gruppe der Männer zwischen 45 und 59 Jahren vierzig Prozent der Wähler aus.

          Frauen wählen lieber Grüne oder SPD

          Und die Mitglieder sind noch betagter: Zwanzig Prozent der Ostlinken hat die achtzig überschritten. Unter den Jungwählern schneidet die Linkspartei schlecht ab, vor allem Frauen wählen lieber Grüne oder SPD. Doch die Altherrenriege an der Spitze sieht in manch einer der Rebellinnen eine Bedrohung.

          In Berlin steht Lucy Redler auf dem Rosa-Luxemburg-Platz. Sie geht einen Block entlang, macht vor dem Karl-Liebknecht-Haus halt, legt den Kopf in den Nacken und guckt nach oben. Hier, in der Zentrale der Linkspartei, wird bald das Urteil über ihre politische Zukunft gefällt: Die Bundesschiedskommission entscheidet über ihre Aufnahme in die Linkspartei. Denn Lucy Redler ist das Kunststück gelungen, sogar der Linkspartei zu links zu sein. Die Parteispitze ist gegen den Beitritt der Trotzkistin, der nachgesagt wird, sie könne sich demokratischen Verfahren nicht unterordnen.

          Die „rote Lucy“ mit den blonden Haaren ist das derzeit beliebteste Fotomotiv auf Demonstrationen. Sie sieht dabei aus, als stolziere sie einen Catwalk entlang. Selbst das Megafon wirkt bei ihr wie ein Accessoire. Fragt man sie, ob die Linkspartei durch junge Frauen an Attraktivität gewinnen will, so wird die „Rebellin“ unwirsch.

          Radikale Selbstinszenierung

          Von einer Generation junger Politikerinnen mit Ausstrahlung will sie nichts wissen – sie ziehe in Talkshow-Runden immer „total normale Sachen“ an, Aussehen finde sie irrelevant. „Was soll das? Niemand würde auf die Idee kommen, darüber zu schreiben, wie die Frisur von Roland Koch oder der Anzug von Peer Steinbrück aussieht.“ Da hat Lucy Redler anscheinend die Debatten über Thorsten Schäfer-Gümbels Brille, die Frisur von Kurt Beck und die angeblich gefärbten Schläfen von Altkanzler Schröder verpasst.

          Dann parkt ein Bus vor der Parteizentrale, eine Gruppe Rentner schiebt sich mühsam heraus. Sieht so die Parteibasis aus? „Das ist nur eine Reisegruppe“, stellt Lucy Redler eilig klar.

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