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Russlandtag : Tausend Jahre und kein Ende

Großes Ding: Drosdenko, Gouverneur des Leningrader Gebiets, Osmakow, stellvertretender russischer Minister für Industrie, und Ministerpräsidentin Schwesig. Bild: dpa

Am Russlandtag vergangenen Mittwoch waren sich Mecklenburg-Vorpommern und Russland gefühlt ganz nah – über das Fest der beiden Länder regt sich inzwischen fast niemand mehr auf.

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          Schlaff hängt die russische Fahne im Rostocker Morgennebel. In der Stadthalle erwacht das Leben. Mappen und Ausweise werden für die Gäste zurechtgelegt, Sicherheitsleute streifen durch die Gänge, und der rote Teppich ist ausgerollt und festgeklebt. Es ist Russlandtag. Andreas Steiniger wirkt ein wenig angespannt. Von Anfang an schon ist er dabei, viel gab es in den vergangenen Monaten zu planen und zu besprechen. Jetzt kommt es darauf an. Von diesem Tag, von dieser Veranstaltung gehe auch eine bundesweite Wirkung aus, glaubt er. Etwas Vergleichbares gebe es nicht. „Da leistet Mecklenburg-Vorpommern schon etwas Besonderes.“

          Matthias Wyssuwa
          Politischer Korrespondent für Norddeutschland und Skandinavien mit Sitz in Hamburg.

          Mittwochmorgen, der Russlandtag beginnt in dem kleinen Bundesland im Nordosten. Es ist bereits der dritte. In den Zeiten der internationalen Krisen, der Sanktionen und der diplomatischen Anspannung zwischen Russland und dem Westen lädt Mecklenburg-Vorpommern alle zwei Jahre Unternehmer aus beiden Ländern ein. Um zu reden, Kontakte zu knüpfen, Geschäfte zu machen. Einst hat das für viel Aufregung gesorgt. Jetzt scheint es kaum noch jemanden zu stören. „Als ostdeutsches Bundesland verbindet Mecklenburg-Vorpommern mit Russland eine ganz besondere Beziehung“, wird Ministerpräsidentin Manuela Schwesig von der SPD bei der Eröffnung sagen. Es gebe ein besonderes Verständnis füreinander. „Aus der gemeinsamen Geschichte, aus persönlichen Freundschaften heraus.“ Vorher aber erzählt Steininger noch von die Geschichte des Russlandtags. Langsam strömen immer mehr Gäste in die Stadthalle. 850 sind angemeldet, mehr denn je. Steininger ist ein großer, schmaler Mann und er ist auch ein Mann der vielen Jobs. Er ist Professor, Berater in Russland, Richter am Schiedsgericht in Moskau und im Vorstand des Ostinstituts in Wismar ist er auch, dort werden Wirtschaftsjuristen für den russischen Markt ausgebildet. Diese Funktion verbindet ihn mit dem Russlandtag. Von der ersten Stunde an war er dabei, als die Idee geboren und der damalige Ministerpräsident Erwin Sellering sich dieser angenommen hatte.

          Für den Herbst 2014 war der erste Russlandtag angesetzt. Die Planungen liefen, als die Krise in der Ukraine eskalierte, und Russland die Krim annektierte. Kritik kam auf. Sellering aber hielt an den Plänen fest. Bei dem ersten Russlandtag redete auch der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder. Der hatte sich schon lange für die Gaspipeline Nordstream eingesetzt. Die Gaspipeline aus Russland kommt in Vorpommern an, ebenso wie es die international so umstrittene Pipeline Nordstream 2 tun soll. In diesem Jahr war kaum noch Kritik am Russlandtag zu vernehmen. Ein wenig Jusos, ein wenig Grüne. Viel mehr gab es nicht. „Die Diskussion ist weg“, sagt Steininger. „Alle scheinen sich mit dem Status quo abgefunden zu haben.“

          Schiffe, Häfen und Kräne, Menschen und Maschinen

          Schwesig ist aus ihrer Limousine gestiegen, muss aber noch vor der Halle auf ihre russischen Gäste warten: der stellvertretende Minister für Industrie und Handel, Wasilij Sergeewitsch Osmakow, hat sich angekündigt, der russische Botschafter in Berlin ebenso, der stellvertretende Präsident der Duma, und auch der Gouverneur des Leningrader Gebiets, mit dem Mecklenburg-Vorpommern eine enge Partnerschaft pflegt. Begrüßungen, Fotos, Gang durch die Halle und schließlich hinein in den großen Saal. Ein Video auf der Leinwand wirbt für Mecklenburg-Vorpommern. Es zeigt Schiffe, Häfen und Kräne, Menschen und Maschinen. Reden werden gehalten. Schwesig sagt, der Russlandtag sei eines der größten Wirtschaftstreffen in Ostdeutschland. Sie spricht ein paar russische Sätze, Applaus.

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