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Der Fall Williamson : Merkel lobt „wichtiges und gutes Signal“ des Vatikans

  • Aktualisiert am

Die Bundeskanzlerin und Benedikt nähern sich wieder an Bild: AP

Die Leugnung des Holocaust dürfe „niemals ohne Folgen im Raum stehen bleiben“, sagt Bundeskanzlerin Merkel und begrüßt, dass Papst Benedikt XVI. Lefebvre-Bischof Williamson zum Widerruf seiner umstrittenen Äußerungen aufgerufen hat. Zuvor hieß es, der Vatikan sei verärgert über „antikatholische Ressentiments“ in Deutschland.

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          Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sieht in der Klarstellung des Vatikan zur Begnadigung des Traditionalistenbischofs und Holocaust-Leugners Richard Williamson ein „wichtiges und gutes Signal“. Dieser Schritt mache deutlich, dass die Leugnung des Holocaust „niemals ohne Folgen im Raum stehen bleiben kann“.

          Nur ohne Holocaust-Leugnung und Antisemitismus könne ein gedeihliches Miteinander von jüdischen Gemeinden und katholischer Kirche gelingen. Auf diesem Weg „sind wir jetzt ein Stück vorangekommen“, sagte die Kanzlerin. Merkel hatte am Dienstag wegen der Rücknahme der Exkommunikation des Traditionalisten-Bischofs und Holocaust-Leugners Richard Williamson kritisiert. Ihre Äußerungen hatten in den eigenen Reihen und unter den katholischen Bischöfen ein sehr geteiltes Echo hervorgerufen.

          Vatikan verärgert über „antikatholische Ressentiments“

          Zuvor hieß es, der Papst sei verärgert über die offene Kritik aus Deutschland an seinem Umgang mit Bischof Williamson. „Im Vatikan ist man über die Diskussion in Deutschland geradezu entsetzt“, sagte der CDU-Politiker Georg Brunnhuber der „Financial Times Deutschland“ nach einem persönlichen Gespräch mit Benedikt XVI. am Mittwoch in Rom.

          Im Juni 2006 empfing Papst Benedikt XVI. Bundestagspräsident Lammert

          Es herrsche der Eindruck, „dass alle antikatholischen Ressentiments, die in Deutschland schlummern, jetzt an die Oberfläche kommen“. Am Dienstag hatte die Bundeskanzlerin den Papst zu einer Klarstellung aufgefordert, dass eine Leugnung des Holocaust nicht geduldet werde. Im Vatikan sei man verwundert über die Debatte, sagte Brunnhuber, der im Rahmen einer Generalaudienz mit dem Papst gesprochen hatte. „Hier unterstellt niemand dem Papst, dass er antisemitische Äußerungen duldet.“

          Merkel wies Vorwürfe zurück

          Frau Merkel hatte bereits am Mittwoch den Vorwurf zurückgewiesen, sich mit ihrer Äußerung in kirchliche Belange eingemischt zu haben: Die Kanzlerin habe sich zu einer „politischen Grundsatzfrage“ geäußert, sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm. Kanzlerin Merkel kenne die persönliche Position des Papstes zum Holocaust (siehe dazu auch: Merkels scharfe Worte: Ein Beichtgespräch nach der Kritik am Papst?).

          Im Zuge ihrer umstrittenen Aussage hatte Frau Merkel versichert, „im Allgemeinen“ sage sie nichts zu innerkirchlichen Entscheidungen. „Allerdings glaube ich, dass es anders ist, wenn es um Grundsatzfragen geht. Ich glaube, es ist schon eine Grundsatzfrage, wenn durch eine Entscheidung des Vatikans der Eindruck entsteht, dass es die Leugnung des Holocaust geben könnte, dass es um grundsätzliche Fragen des Umgangs mit dem Judentum insgesamt geht.“

          Frau Merkel sagte ausdrücklich: „Das ist nach meiner Auffassung nicht nur eine Angelegenheit der christlichen, der katholischen und jüdischen Gemeinden in Deutschland, sondern es geht hier darum, dass von Seiten des Papstes und des Vatikans sehr eindeutig klargestellt wird, dass es keine Leugnung geben kann und dass es natürlich einen positiven Umgang mit dem Judentum insgesamt geben muss. Diese Klarstellungen sind aus meiner Sicht noch nicht ausreichend erfolgt.“

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