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Der Fall Tebartz-van Elst : Limburger Bischof fliegt kommende Woche nach Rom

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Erzbischof Joachim Meisner und der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz van-Elst Ende September im Kölner Dom: Der Kardinal geht auf Distanz Bild: dpa

Ein beantragter Strafbefehl und exorbitant gestiegene Baukosten: Der Limburger Bischof Tebartz-van Elst will laut Angaben seines Sprechers in der kommenden Woche nach Rom fliegen. Der Präfekt der Glaubenskongregation im Vatikan, Erzbischof Müller, spricht weiter von einer „Medienkampagne“.

          Der Präfekt der Glaubenskongregation, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, hat dem umstrittenen Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst den Rücken gestärkt. Im Rahmen einer Messe im römischen Campo Santo über das Evangelium und die Dämonen sagte Müller am Freitagabend, dass es sich bei den Vorwürfen gegen den Bischof um eine „Erfindung von Journalisten“ und eine „Medienkampagne“ handle. Das berichtet die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (F.A.S.). Für die hohen Baukosten für das Bischöfliche Haus in Limburg sei nicht der Bischof verantwortlich; die Verantwortung liege vielmehr bei dessen Mitarbeitern.

          Tebartz-van Elst will laut Angaben seines Sprechers „im Laufe der kommenden Woche“ nach Rom fliegen. Wann genau dies geschehen werde, sei ihm nicht bekannt, sagt er am Samstag. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (F.A.S.) hatte zuvor berichtet, Tebartz-van Elst habe einen Flug mit der Lufthansa nach Rom gebucht, der an diesem Samstag um 16.35 Uhr Frankfurt verlassen sollte. Dies hatte sein Sprecher zunächst zunächst nicht dementiert. Der Rückflug sei für kommenden Donnerstag, 17. Oktober, vorgesehen.

          Die Reise am Samstag sei vorgesehen gewesen, um dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, zuvorzukommen, so die F.A.S. Zollitsch will kommende Woche nach Rom fliegen, um Papst Franziskus über die Vorgänge im Bistum Limburg zu informieren, die er selbst für untragbar hält, nachdem die Baukosten für das Diözesane Zentrum auf 31 Millionen Euro in die Höhe geschnellt sind und die Staatsanwaltschaft Hamburg einen Strafbefehl wegen falscher eidesstattlicher Versicherungen gegen Tebartz-van Elst beantragt hat.

          Nach F.A.S.-Informationen wird Zollitsch Besuchsprogramm  am Montag beginnen. Der Erzbischof hatte sich am Donnerstag öffentlich vom Gebaren des Limburger Bischofs distanziert.

          Der Limburger Bischof verfügt weiterhin über Rückhalt bei einflussreichen Personen der Kurie. Dazu gehört der auch Erzbischof Müller, der schon Mitte September von einer „Kampagne“ gegen Tebartz-van Elst gesprochen und gesagt hatte, dieser bleibe im Amt.

          Der Präfekt der Glaubenskongregation im Vatikan, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, trifft Papst Franziskus (Archivbild April 2013): Der Fall Tebartz-van-Elst eine „Erfindung von Journalisten“?

          Unter den deutschen Bischöfen verlor Tebartz-van Elst seinen wichtigsten Unterstützer, den Kölner Kardinal Joachim Meisner. Für Meisner sei nach dem beantragten Strafbefehl und den exorbitant gestiegenen Baukosten eine „neue Lage“ eingetreten, erfuhr die F.A.S. aus dem Umfeld des Kardinals. Meisner sehe nicht nur das Bischofsamt, sondern die gesamte Kirche durch den Fall beschädigt. Gegenüber der F.A.S. war das Bistum zu keiner öffentlichen Stellungnahme bereit, verwies aber auf die Äußerungen des Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch. Zollitsch hatte sich am Donnerstag deutlich von Tebartz-van Elst distanziert. Später teilte Meisners Sprecher mit: „Der Kardinal beobachtet weiterhin die Vorgänge sehr aufmerksam, und das lässt ihn auch nicht unberührt.“ Und weiter: „Es entzieht sich meiner Kenntnis, wie die F.A.S. zu ihren Schlüssen kommt.“

          Die Residenz mitsamt angebauter Kapelle in der Außenansicht. Bilderstrecke

          Nach F.A.S.-Informationen hat Meisner in den vergangenen Tagen direkt mit Tebartz-van Elst über dessen Lage gesprochen; über Inhalt und Verlauf der Gespräche wurde nichts bekannt. Der Kölner Erzbischof ist Metropolit der Rheinprovinz, zu der das Bistum Limburg gehört. Ihm kommt von daher eine Aufsichts- und Kontrollfunktion zu, jedoch verfügt er nicht über disziplinarische Durchgriffsrechte.

          Sucht Unterstützung im Vatikan: Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst

          Kardinal Meisner hatte den Limburger Bischof noch Mitte September öffentlich verteidigt. In einem Radiointerview beklagte er seinerzeit, die Medien hätten sich „gegen ihn (den Bischof von Limburg) verschworen“. Meisner zieh den Münchner Kardinal Marx der „Ahnungslosigkeit“, nachdem dieser sich kritisch zu den Limburger Verhältnissen geäußert hatte. Inzwischen verfüge Meisner über ein „differenzierteres Bild der Situation in Limburg“, hieß es in seiner Umgebung.

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