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Der Fall Strauss-Kahn : Eine öffentliche Affäre

  • -Aktualisiert am

Bild: reuters

Auch wenn das Verfahren gegen Dominique Strauss-Kahn nun eingestellt ist - seine öffentliche Existenz ist wohl endgültig vernichtet. Denn selbst im toleranten Frankreich kamen Dinge zutage, die zu einem Repräsentanten des Staates nicht passen.

          Das dramatischste Kapitel des Falles „Strauss-Kahn in Amerika“ ist abgeschlossen. Was sich wirklich in jener Suite des New Yorker Sofitel-Hotels abgespielt hat, wird sich kaum mehr klären lassen. Doch dass die Staatsanwaltschaft, die ihrer Sache anfangs so sicher war, alle Anklagepunkte fallen lässt, weil die Glaubwürdigkeit des Opfers – ob wirklich oder vermeintlich – nachhaltig erschüttert ist, dürfte sich auch auf die Erfolgsaussichten der Zivilklage negativ auswirken, die der betreiberische Anwalt des Zimmermädchens eingereicht hat. Es bleibt allerdings bei dem Sachverhalt, dass Strauss-Kahns öffentliche Existenz – als Direktor des Internationalen Währungsfonds und chancenreicher Kandidat für die nächste Präsidentenwahl in Frankreich – vermutlich endgültig vernichtet ist.

          Das liegt nicht nur daran, dass ihn, wenn er nach Frankreich zurückkehrt, weitere Klagen von Frauen erwarten, die er – wirklich oder angeblich – sexuell bedrängt hat. Sein Privatleben ist im Verlauf dieser Affäre bis in intimste Details durchleuchtet worden. Und selbst im toleranten Frankreich, in dem die Leute ihren Eliten einen Hang zur Libertinage unterstellen, um nicht zu sagen: ihn billigen (das Doppelleben des Präsidenten Mitterrand, der eine Zweitfamilie auf Staatskosten unterhielt, hat jedenfalls keinen nachhaltigen Skandal hervorgerufen), kamen da Dinge zutage, die zu einem Repräsentanten des Staates, in welchem Amt auch immer, nicht passen.

          Die Freude bei den Sozialisten ist ungetrübt

          Natürlich haben führende Sozialisten das Ende der „Affäre DSK“ begrüßt: Wenn einer der Ihren freigesprochen wird und als Opfer der amerikanischen Justiz dargestellt werden kann, kommt das in Paris gut an. Die Freude ist umso ungetrübter, als Strauss-Kahn bei den Vorwahlen, in denen der sozialistische Präsidentschaftskandidat bestimmt wird, kein Rivale mehr ist. Es gibt aber auch taktische Gründe. Jetzt geht es um die nicht wenigen Anhänger Strauss-Kahns in der Partei und um das Ansehen, das er bei manchen Wählern noch genießt: Wer kann diese Stimmen gewinnen? Strauss-Kahns Seilschaft hat sich, als ihr Matador außer Gefecht war, gespalten: ein Teil unterstützt jetzt die Parteivorsitzende Aubry, ein anderer deren größten Konkurrenten Hollande. Einige warten noch darauf, für wen „DSK“ selbst votiert. Doch ob das seinem Favoriten etwas nützen wird, ist eine offene Frage.

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