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Der Fall Sarrazin : Eine Staatsaffäre

Auf Weisung der Kanzlerin und des Bundespräsidenten wird Sarrazin nun zum Märtyrer gemacht. Kleiner geht es in Deutschland offenbar nicht, wenn einer an dem Märchen rüttelt, in Sachen Einwanderung und Integration sei oder werde schon alles gut.

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          Es handele sich um „eine private Angelegenheit von Herrn Sarrazin, er äußert darin seine persönliche Meinung“. So lautete nicht eine Erklärung seines Anwalts im Streit um sein Buch, sondern die erste Stellungnahme der Bundesbank dazu. Eine gute Woche später beantragt diese beim Bundespräsidenten Sarrazins Abberufung. Dazwischen lagen viel Aufregung, das „Juden-Gen“ und das Bedauern Sarrazins über seinen „Riesenunfug“.

          Doch gab es in der Zwischenzeit auch politische Akte von Bedeutung. Die Kanzlerin und zuletzt auch der Bundespräsident ließen öffentlich und mehr als deutlich erkennen, dass sie das Vorstandsmitglied Sarrazin nicht mehr für tragbar hielten, weil er das Ansehen der Bundesbank und der ganzen Republik beschädige. Damit machten sie aus einer Bastion der Unabhängigkeit eine Befehlsempfängerin und aus einem Buch eine Staatsaffäre. Kleiner geht es in Deutschland offenbar nicht, wenn einer an dem Märchen rüttelt, in Sachen Einwanderung und Integration sei oder werde jedenfalls schon alles gut.

          Märtyrer der Meinungsfreiheit

          Weil Sarrazin, von einer Woge der Unterstützung aus dem breiten Volk getragen, seinen hohen Richtern nicht den Gefallen tun und sich selbst als Problem aus der Welt schaffen wollte, haben jetzt auch diese eines mehr. Als Märtyrer der Meinungsfreiheit und Kronzeuge der Anklage breiter Bevölkerungsschichten wird Sarrazin sie noch lange verfolgen.

          Entrüstete Äußerungen wie die des Innenministers, die von Sarrazin beschriebenen Defizite seien der Politik doch längst bekannt, klingen in den Ohren vieler Bürger wie der blanke Hohn: Wenn man die Missstände schon so lange kennt, warum wurde dann so wenig zu ihrer Beseitigung getan?

          Und warum wird dann derjenige aus Amt und Parteimitgliedschaft gejagt, der nur alte Hüte aufträgt, wenn auch mit Provokationen geschmückt - während die Protagonisten einer verfehlten Einwanderungspolitik weiter durch die Institutionen marschieren und ungeniert behaupten können, sie seien schon immer dafür gewesen, dass Ausländerkinder als erstes Deutsch lernen müssen?

          Der Brandgeruch, den manche Sarrazin zuschreiben, hat eine andere Quelle: Es liegt mehr als nur ein Hauch von Rebellion gegen Beschönigung und Bevormundung in der Luft. Wenn die „Volksparteien“ die von Sarrazin aufgegriffenen Sorgen und Ängste nicht schnell ernstnehmen, werden die sich andere Fürsprecher suchen, deren Mäuler sich nicht mit einem Antrag beim Bundespräsidenten stopfen lassen.

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