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Der Fall Mixa : Unmut in Rom über die deutschen Bischöfe

  • -Aktualisiert am

Walter Mixa im Gebet Bild: dpa

Im Vatikan wird die Verärgerung darüber immer größer, dass es den deutschen Bischöfen nicht gelingt, Walter Mixa das Ende seiner Amtszeit unmissverständlich klar zu machen. Dem früheren Bischof werden Trunkenheit, Veruntreuung, „Watschn“ und homosexuelle Annäherungen vorgeworfen.

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          Die Deutsche Bischofskonferenz hat am Dienstag die Berichterstattung auch der F.A.Z. offiziell bestätigt, nach der die Vorwürfe gegen den früheren Augsburger Bischof Walter Mixa, er sei homosexuell übergriffig geworden und zudem alkoholkrank, im April dem Vatikan zugeleitet worden waren. Die Kirche teilte mit, die bayerischen Bischöfe seien mit Walter Mixa über dessen persönliche Zukunft im Gespräch. Papst Benedikt XVI. wird den früheren Bischof von Augsburg Walter Mixa am Freitag, dem 2. Juli zu einer Audienz empfangen.

          Nur das Datum ist neu; schon in seinem Brief zur Begründung für die Annahme der Entpflichtung Mixas am 8. Mai hatte der Papst angekündigt, diesen „zu gegebener Zeit“ sehen zu wollen. Das sollte freilich in ruhiger Stimmung geschehen. Jetzt könnte es so scheinen, als reagiere Benedikt XVI. mit seiner Audienz auf die anhaltenden Meldungen um den 69 Jahre alten Mixa, seine Augsburger Diözese und die deutschen Bischöfe; doch sieht sich der Vatikan vielmehr „in der Pflicht, dem Menschen Mixa zu helfen“. Mit der Audienz wird keine Veränderung von dessen Status verbunden sein. Der Papst habe seinerzeit nach eingehenden Überlegungen Mixas Bitte um Entpflichtung angenommen „und dabei bleibt es“, heißt es beim Heiligen Stuhl.

          Zugleich wird in Rom Unwillen darüber spürbar, dass es die deutschen Bischöfe nicht alleine schaffen, ihren bisherigen Kollegen Mixa rund um die Vorwürfe von Trunkenheit, Veruntreuung, „Watschn“ und homosexuellen Annäherungen in die Wirklichkeit seines Amtsendes zu führen. Ungehalten ist Rom auch darüber, dass Mixa in der Presse immer neue Anklagen erhebt und das dem „von der anderen Seite“ Stellungnahmen folgen, die „neues Öl in das Feuer gießen“.

          Die Audienz bei Papst Benedikt XVI. wird nichts am Status des früheren Bischofs Mixa ändern

          Damit ist wohl vor allem die Äußerung des Sprechers des Münchner Erzbischofs Reinhard Marx gemeint, Mixas „Aufenthalt in der psychiatrischen Klinik war ein wichtiger erster Schritt“. Dieser Satz folgte auf ein Gespräch Mixas mit der Zeitung „Welt“ am vergangenen Mittwoch, das voller Anklagen gegen Bischofskollegen war. Rom könnte nun Mixa jede Wortmeldung in der Presse verbieten. Doch aus Respekt vor der Person soll es keinen Maulkorb geben.

          Es gibt kein „Geheimdossier Mixa“

          Es gibt bei der Bischofskongregation kein „Geheimdossier Mixa“, wie es am Montag bisweilen hieß. Allerdings erhielt sie am 27. April über den Nuntius des Heiligen Stuhls in Berlin, den schweizerischen Erzbischof Jean-Claude Perisset, Unterlagen. Die stammten vom Bistum Augsburg und waren nach Rom weitergeschickt worden. Das ist der übliche diplomatische Weg zwischen den nationalen Kirchen und Rom. Mithin wissen die Verantwortlichen in Augsburg, was im vermeintlichen Geheimdossier steht. Damit sei auch die Quelle klar, heißt es in Rom, wenn heute so geheimnisvoll aus dieser Akte zitiert werde.

          Freilich ist diese Akte nur Teil des Materials gewesen, das den Papst dazu veranlasste, Mixas Rücktrittsgesuch anzunehmen. Viel mehr Unterlagen brachten offenbar der Vorsitzende der Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, der Münchner Erzbischof Reinhard Marx und der Augsburger Weihbischof Anton Losinger am 29. April nach Rom. Der Papst hatte sie eilig nach Rom gebeten, um sich Klarheit zu verschaffen.

          Aus der Kur verkündete Mixa den Rücktritt vom Rücktritt

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