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Der F.A.S.-Filmtest : „FSK 12“ - Nichts für Kinder

Wo „FSK 12“ draufsteht, ist oft brutale Gewalt drin. Oder Sex. Oder obszöne Sprache. Oder etwas von allem dreien. Wer entscheidet, was Kinder schauen können, ohne Schaden zu nehmen? Und warum entscheiden die Verantwortlichen so verantwortungslos?

          5 Min.

          Wer sind die Leute, die entscheiden, dass zwölf Jahre alte Kinder diese Dinge sehen und hören dürfen? Den Jungen, dem die Augen weggebrannt werden. Den Pubertierenden, der seiner nackt neben ihrem Liebhaber schlafenden Mutter zwischen die Beine fasst. Die kleinen Jungen, die mit einem Beil abgeschlachtet werden. Den Mann, der seiner Freundin in einem Swingerclub in die Augen schaut, während sie mit einem anderen Mann Sex hat. Die Menschen, die aus nächster Nähe erschossen werden. Das Blut, das spritzt. Die Wörter, die Erwachsene für verschiedene Sexualpraktiken verwenden, und das viele Reden über Sex.

          Florentine Fritzen

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Leute, die entscheiden, dass präpubertäre Kinder diese Szenen sehen und hören dürfen, heißen FSK-Prüfer, und es gibt 260 von ihnen. Mehrmals im Jahr reisen sie nach Wiesbaden, um sich in Siebenergruppen ein paar Tage lang ehrenamtlich Filme anzuschauen, die in den nächsten Wochen in die deutschen Kinos kommen. Manche FSK-Prüfer haben Kinder, andere arbeiten mit Kindern, andere haben weder Kinder, noch arbeiten sie mit ihnen.

          Die einen, immer drei von sieben, kommen aus der Filmindustrie, deren Freiwillige Selbstkontrolle die FSK ist. Die anderen haben der Staat, die Kirchen oder andere Einrichtungen beauftragt. Ein Vertreter in jeder Siebener-Gruppe ist immer ein hauptamtlich zur FSK entsandter Mitarbeiter der obersten Landesjugendbehörden der Bundesländer. Der Staat mischt also mit. Knapp die Hälfte der Prüfer sind Frauen, das Durchschnittsalter liegt bei Mitte 40.

          Nach dem Abspann des zu prüfenden Films diskutieren die Prüfer zwischen wenigen Minuten und einer Stunde. Dann stimmen sie ab: Ist die von der Produktionsfirma beantragte Altersfreigabe okay? Die Produktionsfirma ist immer auch die Verleihfirma. Wenn mindestens vier Prüfer die Frage nach dem Okay mit Ja beantworten, wird der Film freigegeben: ab 16, ab zwölf, ab sechs oder ohne Altersbeschränkung. Wenn 16 beantragt ist, das Gremium aber "ab 18" sagt, bekommt der Film keine Jugendfreigabe.

          Bei der Entscheidung, von welchem Alter an Kinder und Jugendliche einen Film sehen dürfen, geht es nicht nur um Jugendschutz, sondern auch um Geld. Zum einen um das Geld, das die Zuschauer an den Kinokassen zahlen. Je mehr Altersklassen einen Film sehen dürfen, desto mehr Besucher wird er vermutlich haben. Und es geht um das Geld, das die Fernsehsender den Produktionsfirmen zahlen: Ein Film, der für Zwölfjährige freigegeben ist, darf um 20 Uhr im Fernsehen gesendet werden. Hat ein Film nur eine Freigabe ab 16, darf er erst nach 22 Uhr laufen - ein entscheidender Unterschied. Die Produktionsfirmen lassen sich die Prüfung daher etwas kosten: 46 Cent pro Filmmeter zahlen sie an die FSK, das macht bei einem durchschnittlichen Kinofilm von 2700 Metern 1242 Euro plus Mehrwertsteuer. Die FSK ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Spitzenorganisation der Filmwirtschaft e.V., als GmbH aber ökonomisch autonom - und sie finanziert sich über die Prüfgebühren der Antragsteller. Weil Filme, die nicht geprüft werden, automatisch "ab 18" sind, lässt die Filmindustrie die meisten Filme prüfen.

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