https://www.faz.net/-gpf-9g673

Matrosenaufstand 1918 : Als Deutschland den Frieden verlor

  • -Aktualisiert am

Sie wollten nicht gegen Großbritannien auslaufen:Matrosen demonstrieren im Oktober 1918 in Kiel. Bild: Picture-Alliance

Vor einem Jahrhundert trieben meuternde Matrosen den Kaiser ins Exil. Sie marschierten in Großstädten und wollten die Revolution im Reich verbreiten. Doch Vorkämpfer der Demokratie waren sie längst nicht.

          6 Min.

          Die 19 Männer, die sich am 17. Oktober 1918 im holzgetäfelten Konferenzzimmer des Berliner Dienstsitzes von Reichskanzler Max von Baden versammelten, dürften keinen Sinn gehabt haben für die Schönheit des milden Herbsttags. Das Kriegskabinett, gebildet aus den Spitzen von Verwaltung und Militär, war zusammengetreten, um eine Note des amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson zu beantworten und über die Situation des bedrängten Reiches zu beraten: Der genau zwei Wochen zuvor ins Amt gekommene Kanzler stand einer Regierung unter Beteiligung von SPD, Zentrum und Liberalen vor und wollte Frieden.

          Das Protokoll jener Sitzung, das erhalten blieb, zeichnet ein widersprüchliches Bild der Lage. Max von Baden, den Generälen gegenüber sonst misstrauisch eingestellt, hielt zwar die Warnungen der Obersten Heeresleitung vor einem baldigen Zusammenbruch der Front für überzogen, glaubte aber nicht mehr an einen Sieg. Sein Kampf galt dem Kalender: Er wollte Zeit gewinnen für Verhandlungen. Um keinen Diktatfrieden oktroyiert zu bekommen, zählte dazu auch die Präsenz militärischer Stärke. Der uneingeschränkte U-Boot-Krieg, der die Vereinigten Staaten an die Seite der Alliierten getrieben hatte, gehörte nicht dazu und sollte eingestellt werden; gegen diese einseitige Vorausleistung Deutschlands regte sich Widerspruch, aber der Kanzler setzte sich durch. Admiral Reinhard Scheer, seit August Chef der Seekriegsleitung, quittierte es weitgehend schweigend, bemerkte aber: „Damit erhält die Flotte ihre Operationsfreiheit zurück.“

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          F.A.Z. PLUS:

            Sonntagszeitung plus

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          „Das Sterben beenden“: Soldaten vor dem Einsatz im Gesundheitsamt in Dortmund – künftig sollen sie auch in Pflegeheimen zeitlich befristet helfen.

          Bundeswehr im Pflegeheim : Bis jemandem der Kragen platzte

          Warum Soldaten Pflegeheime beim Schutz vor dem Virus unterstützen – und nicht Freiwillige, die nur darauf gewartet hatten, zu helfen. Eine Rekonstruktion.
          Über-60-Jährige konnten sich im Dezember drei Masken gratis aushändigen lassen.

          Zwei Methoden : Wie sich FFP2-Masken wiederverwenden lassen

          FFP2-Masken können korrekt aufgesetzt einen guten Schutz vor einer Infektion mit dem Coronavirus bieten. Günstig sind sie aber nicht. Mit Hilfe von zwei Methoden können Privatpersonen sie mehrmals verwenden.
          Freundinnen: Luisa und Sophie wohnen zusammen in Frankfurt. Beide verdienen Geld mit Pornovideos, die sie selbst aufnehmen.

          Studentin in Geldnot : Pornos drehen für den Master

          Luisa besucht eine Hochschule im Rhein-Main-Gebiet und verkauft Sexvideos, um ihr Studium zu finanzieren. Sie sagt, das fühle sich dreckig an. Doch der Geldmangel habe sie dazu getrieben, und andere Nebenjobs sind ihr zu zeitaufwendig.