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Frankfurter Zeitung 05.08.1918 : Japan sendet Truppen nach Russland

  • Aktualisiert am

Japanische Truppen 1918 in Wladiwostok. Bild: Picture-Alliance

Japan schickt Truppen nach Russland, wie Tokio selbst sagt, zur Unterstützung des verbündeten Landes. Die Lage ist dort wegen des Bürgerkriegs unklar.

          Eine Erklärung Japans.

          Haag, 4. Aug.

          Hollandisch Nieuwsbureau meldet aus London: In Tokio wurde gestern folgende Erklärung über die Aussendung japanischer Truppen nach Wladiwostok veröffentlicht: Die japanische Regierung, die für das russische Volk Gefühle aufrichtiger Freundschaft hegt, hat immer gehofft, daß die Ordnung in Rußland bald wieder hergestellt und die unbeschränkte Weiterentwicklung des russischen nationalen Lebens gesichert werden würde. Jetzt liegen aber Beweise vor, daß die Zentralmächte, während sie die wehrlose Lage Rußlands ausbeuten, einen immer stärkeren Druck auf Rußland ausüben und immer mehr russisches Gebiet im fernen Osten an sich reißen.

          Sie haben den Durchgang der Tschecho-Slowaken durch Sibirien immer wieder verhindert, obgleich die Tschecho-Slowaken nur ihrer Rasse eine freie und unabhängige Existenz sichern wollen. Sie haben sich nun der gemeinschaftlichen Sache der Alliierten angeschlossen und können daher die Sympathie und die Achtung ihrer jetzigen Kriegskameraden beanspruchen. Im Hinblick auf die den tschecho-slowakischen Truppen gegenwärtig in Sibirien drohenden Gefahren haben die Alliierten eingesehen, daß es unmöglich ist, den Ereignissen noch weiter untätig zuzusehen. Ein Teil ihrer Truppen hat bereits Befehl erhalten, nach Wladiwostok abzumarschieren.

          Die Regierung der Vereinigten Staaten, die ebenfalls den Ernst der Lage erkannt hat, hat kürzlich der japanischen Regierung Vorschläge für die beschleunigte Aussendung von Truppen übermittelt, die den Druck, der auf den Tschecho-Slowaken lastet vermindern sollen. Die japanische Regierung, die bereit war, das Verlangen der amerikanischen Regierung zu erfüllen, hat beschlossen, sofort Streitkräfte in Zusammenhang mit der geplanten Expedition zur Verfügung zu stellen. Trotz dieser Entsendung von Truppen bleibt bei der japanischen Regierung der Wunsch bestehen, die früheren freundschaftlichen Beziehungen mit Rußland weiter aufrecht zu erhalten.

          Sie wünscht ihre bisherige Politik gegen Russland weiter zu führen, spricht die territoriale Unverletzbarkeit Rußlands aus und erklärt, sich jeder Einmischung in die innere russische Politik enthalten zu wollen. Wenn die angestrebten Ziele verwirklicht worden sind, werden alle japanischen Truppen sofort das russische Gebiet wieder verlassen. Rußlands Souveränität wird sowohl in politischer als auch in militärischer Hinsicht völlig unverletzt bleiben. 

          Die nächste Ausgabe des historischen E-Papers erscheint am 7. August 2018.

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