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Frankfurter Zeitung 09.11.1918 : Der Kaiser verzichtet auf den Thron

  • Aktualisiert am

Zivilisten und Soldaten hinter einer Straßenbarrikade in Berlin, November 1918. Bild: Picture-Alliance

Kaiser Wilhelms Thronverzicht, Hoffnung auf das Frauenwahlrecht und weitere Meldungen aus der von einem Soldatenrat besetzten „Frankfurter Zeitung“ vom 9. November 1918.

          In Frankfurt am Main hat ein Soldatenrat heute Nacht die öffentliche Gewalt in seine Hände gebracht. Er hat auch die „Frankfurter Zeitung“ besetzen lassen. Um zur Aufrechterhaltung der Ordnung beizutragen, gibt die bisherige Redaktion diese Nummer als reines Nachrichtenblatt heraus. Sie muß auf jede eigene politische Meinungsäußerung verzichten.

          Redaktion und Verlag der Frankfurter Zeitung.

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          Thronverzicht des Kaisers und des Kronprinzen!

          Ebert voraussichtlich Reichskanzler. – Wahlen zur Nationalversammlung!

          Berlin, 9. Novbr. (W.B. amtlich.) Der Kaiser und König hat sich entschlossen, dem Thron zu entsagen. Der Reichskanzler bleibt noch so lange im Amte, bis die mit der Abdankung des Kaisers, dem Thronverzicht des Kronprinzen des Deutschen Reiches und von Preußen unter Einsetzung der Regentschaft verbundenen Fragen geregelt sind. Er beabsichtigt, dem Regenten die Ernennung des Abgeordneten Ebert zum Reichskanzler und die Vorlage eines Gesetzentwurfs wegen der sofortigen Ausschreibung allgemeiner Wahlen für eine verfassunggebende deutsche Nationalversammlung vorzuschlagen, der es obliegen würde, die künftige Staatsform des deutschen Volkes einschließlich der Volksteile, die ihren Eintritt in die Reichsgrenzen wünschen sollten, endgültig festzustellen.

          Berlin, 9. November 1918.

          Der Reichskanzler Max Prinz von Baden.

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          Mitbürger!

          Der Soldatenrat der Garnison Frankfurt a.M. hat die polizeiliche Gewalt übernommen. Sein großes freiheitliches Werk im Dienste aller kann nur gelingen, wenn jeder einzelne strengste Selbstdisziplin übt.

          Wahret darum unbedingt Ruhe und Ordnung! Gewalttätigkeiten sind unwürdig! Der Soldatenrat hat alle Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Sicherheit und Ordnung getroffen und dafür gesorgt, daß die geordnete Verwaltung gewährleistet ist.

          Im Auftrage des Soldatenrats verordne ich, in Stellvertretung des bisherigen Polizeipräsidenten, der seine Amts-Befugnisse an den Soldatenrat abgegeben hat:

          1. Von 7 ½ Uhr abends bis morgens 6 Uhr ist für das Publikum der Straßenverkehr verboten. Diejenigen, die aus Berufsgründen die Straße passieren müssen oder fremd sind, haben sich zu legitimieren.
          2. Von 7 Uhr abends ab bis morgens 6 Uhr sind bis Dienstag, den 12. November d. J. einschließlich sämtliche öffentlichen Lokale (Wirtschaften, Cafés usw.), Theater, Kinos und andere derartige Veranstaltungen, insbesondere Varietés zu schließen.

          Sämtlichen Anordnungen der polizeilichen Organe ist unbedingt Folge zu leisten. Zuwiderhandlungen gegen die obigen Bestimmungen müssen im Interesse der Gesamtheit auf das strengste geahndet werden. Nach Art. 5 des Aufrufs des Frankfurter Soldatenrats wird Plünderung und Straßenraub mit dem Tode bestraft, soweit nicht schon das Gesetz die Todesstrafe androht.

          Sämtliche Beamte des Polizeipräsidiums haben ihren Dienst sofort in ihren Dienststellen bei Meidung strenger Maßnahmen um 4 Uhr aufzunehmen.

          Frankfurt a. M., 9. November 1918.

          Im Auftrag des Soldatenrats:

          Der stellvertretende Polizeipräsident: Dr. Sinzheimer

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