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Frankfurter Zeitung 14.05.1918 : Lynchmord an deutschem Bergarbeiter in Amerika

  • Aktualisiert am

Bergleute während des Ersten Weltkriegs in einer Mine in Belgien. Bild: Picture-Alliance

Ein Arbeiter wird in Illinois in Schutzhaft genommen. Er hat den Zorn seiner Arbeitskollegen auf sich gezogen. Dann überfällt ein wütender Mob das Gefängnis, berichtet die Frankfurter Zeitung vor 100 Jahren.

          Am 4. April 1918 wurde in Collinsville (Illinois) der in Deutschland geborene Robert Paul Prager das Opfer eines Lynchmordes. Wir entnehmen darüber der amerikanischen Presse:

          Prager war 45 Jahre alt und Bergarbeiter auf der Maryville Mine. Er geriet mit anderen Bergleuten in Streit, die ihn der Deutschenfreundlichkeit beschuldigten. Prager wurde darauf von der Polizei in Schutzhaft genommen, aber später brach eine Menschenmenge von 350 Personen in das Gefängnis ein, führte Prager durch die Stadt und hängte ihn an einem Baum auf. Von Washington aus wurde darauf eine offiziöse Notiz veröffentlicht. Der Generalanwalt der Vereinigten Staaten habe im Kabinett über den Vorgang berichtet. Die Regierung erwarte, daß die Tat von den lokalen Behörden untersucht werde, und hoffe, daß sich Aehnliches nicht wiederholen möge. Deutschland könne sonst Repressalien gegen Amerikaner ergreifen.

          Deutschland würde sich zu etwaiger Vergeltung jedenfalls nicht der Lynchjustiz bedienen, die bei uns Barbaren nicht üblich ist. Ob die amerikanischen Behörden wirklich und ernsthaft gegen die Mörder Pragers vorgehen, bleibt abzuwarten. An anglo-amerikanischen Arbeiterführern sind seit Kriegsbeginn mehrere Lynchmorde wegen ihrer Opposition gegen Herrn Wilsons Kriegspolitik begangen worden; es ist aber den Tätern niemals etwas geschehen.

          Die nächste Ausgabe des historischen E-Paper erscheint am 17. Mai 2018.

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