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Frankfurter Zeitung 17.04.1919 : Versailles ist nur ein Rechtsfriede!

  • Aktualisiert am

Die Eröffnungskonferenz der Friedensverhandlungen am 18. Januar 1919 Bild: Picture-Alliance

Die Details des Versailler Friedensvertrags stoßen in der Öffentlichkeit auf heftige Kritik. In dessen finanziellen Bedingungen sieht man eine Versklavung Deutschlands.

          Aus Blättern und den offiziösen Nachrichtenbüros der Ententeländer erfahren wir nun seit Wochen, was alles im Friedensvertrag uns zugemutet werden soll und wann in Versailles oder Paris die Vorbesprechungen und im Anschluß daran die Friedensverhandlungen beginnen sollen. Von diesen scheinbar so bestimmten Angaben ist hier an Stellen, die es eigentlich wissen müßten, nichts bekannt. Es ist jedenfalls noch keine Einladung erfolgt, und was mit starker Abwechslung in pikanter Zubereitung über das angegeben wird, was wir im Friedensvertrag einfach anzunehmen haben, das wird von ruhigen Politikern vielfach als Versuchsballon bewertet, als Ausstreuung zu dem wohlbedachten Zwecke, durch den Wiederhall der öffentlichen Meinung in Deutschland Material zu erhalten für eine Darstellung, was man Deutschland ohne Gefahr als äußerste Belastung zumuten könne. Man sieht der jetzt angekündigten Rede von Lloyd George mit einiger Spannung entgegen, weil man vielleicht aus ihr sehen wird, ob er wirklich das Unterhaus sachlich aufzuklären beabsichtigt, oder ob er die Gelegenheit benutzt, die deutsche öffentliche Meinung einer neuen Belastungsprobe zu unterziehen.

          Es ist nun von dieser öffentlichen Meinung in Deutschland in allem ihr zu Gebote stehenden Formen auch von der berufenen öffentlichen Vertretung, von der Reichsregierung den feindlichen Regierungen deutlich und hörbar versichert worden, daß wir nur einen Rechtsfrieden auf Grund der vierzehn Punkte Wilsons annehmen, die Lostrennung deutschen Gebietes aber uns finanzielle Bedingungen, die auf eine Versklavung hinauslaufen würden, ablehnen werden. Demgegenüber dringen jetzt leise Drohungen mit Fortsetzung des Krieges zu uns herüber. Wir sind so an Schrecken gewöhnt, daß diese keinen Schrecken mehr erregen. Volksversammlungen, parlamentarische Körperschaften mögen in tiefgehender vaterländischer Bedrängnis und Entrüstung Beschlüsse fassen, bei denen nicht jeder einzelne die möglichen Folgen ihrer Ausführung sich klar gemacht hat, oder klar machen kann.

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          Anders steht es mit einer verantwortlichen Regierung, und deren Kundgebungen kann man im Auslande nicht mißverstehen, vor allen Dingen nicht die klare Versicherung des Reichsministers für auswärtige Angelegenheiten, daß er nur einen Rechtsfrieden und nie einen anderen unterzeichnen werde. Denn dieser Minister ist nach seiner Vergangenheit und Stellung gehalten und in der Lage, sich ein Bild von den Folgen zu machen, die eine Ablehnung uns zugemuteter unannehmbarer Friedensbedingungen nach sich ziehen würden. Bei seinen Erklärungen ist der Verdacht, daß es sich um einen leicht zu durchschauenden Bluff handele, ausgeschlossen. Es handelt sich um die ernsteste Politik.

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