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Frankfurter Zeitung 31.08.1914 : Seegefecht vor Helgoland

Torpedoboot-Geschwader in der Nordsee Bild: picture alliance / ZB

In der Nordsee versenken die Briten drei deutsche Kriegsschiffe. 700 Menschen sterben. Die Frankfurter Zeitung berichtet am 31. August 1914 über den Kampf und die Rettungsaktion vor Helgoland.

          Das Seegefecht in der Nordsee.
          Berlin, 30. Aug., 12. N. (Priv.-Tel.)

          Von dem Untergang des Torpedobootes „V 187“ in dem Treffen bei Helgoland wird uns amtlich ein Bericht eines Augenzeugen zur Verfügung gestellt, der ein der Festhaltung würdiges Bild vom Verlust dieses Schiffes entwirft. Zuerst wurde das Boot vom Norden her angegriffen, und bald sah es sich von allen Seiten umringt von englischen Torpedobootszerstörern und Unterseebooten. „V 187“, auf dem sich außer dem Kommandanten auch der Flottillenchef befand, wehrte sich mit allen Kräften gegen die Uebermacht, verlor aber bald einen Teil seiner Bewegungsfreiheit. Das Boot drehte im feindlichen Feuer auf den Feind zu, um mit ihm in ein Passiergefecht zu kommen, wurde aber unter dem Hagel der Geschosse bald ganz manövrierunfähig. Um es nun nicht dem Feinde in die Hände fallen zu lassen, wurde im Innern des Bootes eine Sprengung vorgenommen. Das Boot sank rasch, und während des Sinkens noch bediente die Bemannung bis zum letzten Augenblick die noch brauchbar gebliebenen Geschütze. Feuernd sank das Boot in die Tiefe. Der Flottillenchef Kapitän Ballis und der Kommandant Kapitänleutnant Lechler fanden den Heldentod. Dem Feind gebührt die volle Anerkennung dafür, daß er, ungeachtet der Gefahren, seine Beiboote aussetzte, um die Lebenden aufzunehmen. Als er hiermit noch beschäftigt war, nahten sich deutsche Streitkräfte. Er mußte sich zurückziehen und die eigenen Beiboote treiben lassen. Aus diesen wurden die deutschen Gerettet auf unsere eigenen Schiffe übernommen.

          Auf den Donner der Schiffsgeschütze vor Helgoland hin eilte der deutsche Kreuzer „Ariadne“ unserem schwachen Vorpostengefecht zu Hilfe. Als er in der Vorpostenlinie ankam, hatte sich der Feind schon gegen Westen zurückgezogen. Das Schiff nahm die Verfolgung auf und bestrebte sich, die Fühlung mit dem Feinde wieder zu gewinnen, um, wenn möglich, diesen zum Kampf zu stellen. Plötzlich sah er einen anderen deutschen Kreuzer mit zwei englischen Panzerkreuzern der Lionschiffklasse von 27 000 Tonnen mit je acht 34.3 Zentimeter-Geschützen im Kampfe. „Ariadne“ kam zur Unterstützung. Ein Treffer in den vorderen Kesselraum setzte aber bald die Hälfte der Kessel außer Betrieb, so daß das Schiff nur mit 15 Seemeilen laufen konnte. Noch eine halbe Stunde dauerte der ungleiche Kampf, dann war das Achterschiff in Brand geschossen, und der Brand dehnte sich bald auf das ganze Vorderschiff aus. Die vordere Munitionskammer konnte noch unter Wasser gesetzt werden, bei der hinteren war das nicht mehr möglich.

          Der Feind hatte inzwischen nach Western abgedreht. Die „Adriane“ war aber dem Untergang geweiht. Die Mannschaft versammelte sich auf dem vorderen Deck und brachte, getreu der Ueberlieferung der Marine, drei Hurras auf den allerhöchsten Kriegsherrn aus. Dann erklang das Flottenlied, und unter dem Gesang von „Deutschland, Deutschland über alles“ wurde das Schiff in vollständiger Ordnung verlassen. Zwei deutsche Schiffe, die inzwischen herausgekommen waren, nahmen die Mannschaft auf, während die „Adriane“ in den Fluten versank. Von der Besatzung sind, soweit bisher festgestellt werden konnte, ihr erster Offizier Korvettenkapitän Franck, der Schiffsarzt Ritter v. Boxberger, der Wachtingeneur Helbing und ungefähr 70 Mann gefallen. Die Zahl der Verwundeten ist groß. Dieses Verhalten der Mannschaft in einem unglücklichen Kampf und das Zugeständnis des Feindes, daß er schwere Beschädigungen erlitten hat, zeugen für die Tüchtigkeit und den Kampfesmut unserer Marine.

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